28. Oktober 2019 Category Icon

Apfelbauer Claus Peter Münch

Äpfel mit Charakter

Von Christian Sobiella

Wenn Claus-Peter Münch über die knackigen Früchte spricht, die er seit 36 Jahren in höchster Bio-Qualität produziert, spürt man gleich: Der Mann ist viel mehr, als ein Apfelbauer.

Apfelbauer Claus-Peter Münch Apfelbauer Claus-Peter Münch: „Die Äpfel sind im Vergleich etwas kleiner, aber intensiver im Geschmack.“ | Foto: Achim Multhaupt

Der Apfel ist der ideale Snack

Claus-Peter Münch könnte man als typisch norddeutsch bezeichnen: gradlinig, freundlich, ruhig. Wenn er aber über das Lebensmittel spricht, das er produziert, fangen seine Augen an zu leuchten. „Für mich gibt es keinen idealeren Snack als den Apfel“, sagt der Obstbauer. Die Frucht sei durch die eigene Haut perfekt geschützt, man könne sie an der Hose blank reiben und essen, ohne irgendeinen Abfall zu hinterlassen. „Vom tollen Geschmack der verschiedenen Sorten will ich gar nicht erst reden.“ Münch baut seinen idealen Snack im Alten Land an, das auf der südlichen Seite der Elbe nahe Hamburg liegt und die größte Obstanbaufläche Europas ist. Jeder zweite in Deutschland verzehrte Apfel wächst auf einer der Plantagen hier. Was aber Münchs Äpfel von den meisten anderen im Alten Land unterscheidet: Sie haben Bio-Qualität. Zwar habe der Obstanbau stärker als der Rest der Landwirtschaft auf Bio umgestellt, so Münch. „Trotzdem sind nur zwölf Prozent der Anbauflächen im Alten Land Bio.“

„Ernährung ist essenziell. Unsere Rolle ist es, dem Menschen eine gute Basis zu ermöglichen“, sagt Claus-Peter Münch

Noch mehr Eindrücke vom Obsthof Münch

Apfelernte
Hier wird fleißig geerntet | Foto: Achim Multhaupt

Schon seit 1983 vermarktet Münch zusammen mit seiner Frau Heike Bio-Obst. Zwetschgen und Birnen bauen sie ebenfalls an, vor allem aber: Äpfel. Auf 120 Hektar gedeihen 16 Sorten, Elstar zum Beispiel, Holsteiner Cox oder Santana und Topaz, die Sorten, mit denen Münch die
tegut… Märkte beliefert. In der Erntezeit von Anfang September bis Anfang November holen bis zu 80 Erntehelfer je nach Ertragsjahr rund 3000 Tonnen Äpfel von den Bäumen, pro Tag beachtliche 60 Tonnen.

Demeter zertifiziert

Aber so perfekt der Apfel als Snack ist: „Bis zur Ernte ist er ein sehr sensibles Produkt“, sagt Münch. Im Frühjahr zum Beispiel könne Frost den Blüten zusetzen, in nassen Sommern drohen Pilzerkran­kungen. „Im konventionellen Anbau kön­nen die Bauern mit synthetischen Düngemitteln oder Herbiziden gegensteuern.“ Im Bio-Anbau gehe das natürlich nicht, so Münch, dessen Früchte das Bio-Siegel der EU tragen, dazu das von Bioland. Seit einem Jahr sind sie sogar von Demeter zertifiziert. Münch beschreitet darum andere Wege. „Gegen den Mehltaupilz etwa, den viele aus dem eigenen Garten kennen, setzen wir Backpulver ein.“ Auf zehntausend Quadratmetern versprühen seine Mitarbeiter im Fall der Fälle siebeneinhalb Kilo in Wasser aufgelöstes Backpulver.

Wildbienen auf Apfelhof
Wildbienen wohnen hier auch | Foto: Achim Multhaupt

Äpfel mit Charakter

Die Äpfel seien im Vergleich etwas kleiner, aber intensiver im Geschmack. „Mit Charakter“, sagt Münch. Der Bio-Anbau ohne Herbizide sorge außerdem für Diversität auf dem Hof. „Bei uns werden keine Mäuse vergiftet“, sagt Münch. Darum bauen Raubvögel ihre Nester hier. Für Wildbienen hängen extra 70 Kästen in den Apfel­bäumen, auch Füchse fühlen sich in den Plan­tagen wohl.

Doch auch ein Bio-Hof kann heute nicht mehr auf moderne Technik verzichten. Die Äpfel werden bei Münch nach Farbanteil und Größe in einer vom Computer gesteuerten Anlage sortiert. Halt­barer werden sie durch ein Heißtauchverfahren, zusätzlich wird dann im Lager der Sauerstoffgehalt der Luft abgesenkt und Kohlendioxid zugeführt. „So bekommen die Kunden auch noch Monate nach der Ernte frische und schöne Ware.“ Den Bio-Siegeln sind diese Verfahren nicht abträglich.

Mit 21 Jahren war Münch stolzer Besitzer eines Obsthofes

Helfer bei Apfelernte Foto: Achim Multhaupt

Gelernter Apfelbauer ist Claus-Peter Münch übri­gens nicht. „Ich stamme aus einer Handwerkerfamilie.“ Mit acht Jahren hätten ihn Onkel und Tante in den Anbau von Süßkirschen eingeweiht – und ihm für später ihren kleinen Hof versprochen. Und tatsächlich: Mit 21 Jahren war Münch stolzer Besitzer eines Obst­hofes. Er studierte Politologie und Philosophie und finanzierte das Studium schon durch den Verkauf seines Obstes. „In den Hörsälen der Universität Hamburg habe ich diskutiert, wie die Welt durch eigenes Zutun besser werden kann.“ Darum sei der Bio-Anbau nur folgerichtig gewesen.

Apfelernte
Jeder Apfel wird per Hand abgedreht, in die Ernteboxen gelegt, sortiert, gewaschen und verpackt, in ertragreichen Jahren bis zu 3000 Tonnen | Foto: Achim Multhaupt

Auch seine Frau hat er überzeugt.„Ob­wohl sie eigentlich von einem konventionel­len Apfelbetrieb stammt“, sagt Münch und schmunzelt.

Doch der Anfang war nicht leicht: „Naturkost­läden mit vielen Bio-Produkten als Infrastruktur gab es fast noch gar nicht, allenfalls ein paar Reformhäuser wollten unsere Äpfel.“ Aber sie hielten durch. Und überzeugten auch Zweifler in der Familie wie Münchs Schwiegervater, der 1989 seinen Betrieb an Münch und seine Frau übergab. „Und wir zogen schweren Herzens fort von unserer kleinen Hofstelle.“

Die Pioniere vom Biohof Münch

In Deutschland wuchs ab Anfang der 1980er-Jahre dann die alternative grüne Bewegung. „Und wir sind als Pionier­betrieb mit dieser Szene immer größer geworden“, sagt Münch. Die Naturkostläden wurden plötzlich mehr und mehr, Bio-Produkte schafften es in die Supermärkte. Bio boomte, und Münch konnte sechs weitere Höfe für den Obstanbau dazukaufen oder pachten.

Noch größer werden soll der Biohof Münch nicht. Das ist auch im Sinne von Tochter Marie, die den Hof einmal weiterführen wird. „Das empfin­den wir als großes Geschenk“, freut sich Claus-Peter Münch. Auch Marie ist keine gelernte Apfelbäuerin: „Sie wollte eigentlich was ganz anderes machen und hat BWL studiert.“ Um das Studium zu finanzieren, hat sie im Büro mitgearbeitet – und wurde dann von der Begeisterung des Vaters für das Geschäft mit dem idealen Snack angesteckt.

Äpfel Münch bei tegut... Biohof Münch bei tegut…

Die Bio-Äpfel aus Demeter-Anbau im Alten Land von Familie Münch bieten wir in unseren Märkten vor­wiegend lose an, einige Sorten unter tegut… Bio auch in einem praktischen 6er-Pack (FSC Re­cycled). Zur Auswahl stehen im November die Sorten Holsteiner Cox, Elstar, Santana, Roter Boskoop, Mondapfel, Jonagored, und ab Anfang Dezember kommt der aroma­tisch-saftige Topaz noch hinzu.

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