8. Januar 2020 Category Icon

Anders machen und Spass haben

Der Jahreswechsel gibt Impulse: Wo stehe ich, wo will ich hin? Lassen Sie sich inspirieren: von interessanten Menschen, Ideen zum Ausprobieren und Tipps zum kreativen Kochen.

Neue Impulse zum Jahresanfang
Foto: Fotolia

Rihanna hat sich neu erfunden!“, so titelten die Medien, als die „Rhythm and Blues“-Sängerin ihr Album „Anti“ vorlegte. Neuer Look, neuer Sound, was Popstars so tun, um im Gespräch zu bleiben. Das hat sie nach eigenem Bekunden von Madonna gelernt, die das Sich-neu-Erfinden einst zur Kunstform erhoben hat. Auch Marken tun es ständig: Audi oder Adidas, Fußballvereine und Fernsehsendungen – schwups, haben sie ein anderes Image.

Ein wenig suspekt kann einem das sein. Was gestern richtig war, ist es nicht mehr? Veränderung ist ja kein Wert an sich. Wir alle schätzen das Authentische, in einem antiken Bauernmöbel wie im Charakter eines Menschen. Meine Großeltern waren 56 Jahre verheiratet und bis zu ihrem Tod sehr, sehr liebevoll zueinander. Das Konzept, dass man Ehekrisen lösen könnte, indem man sich einen neuen Partner sucht, war ihnen unbekannt. Was gut ist, braucht sich nicht zu ändern. Und doch – am Jahresanfang packt viele die Unruhe.

Neue Pläne und Vorsätze am Jahresanfang

Unwillkürlich prüfen wir, wie das alte Jahr war und was wir im neuen anders machen wollen. Schmieden Pläne, fassen gute Vorsätze. Und auch wenn Letztere meist schnell wieder Geschichte sind – der Impuls ist enorm wichtig. Ohne den Drang, etwas anders und besser machen zu wollen, ohne die Neugier und Kreativität säßen wir Menschen vermutlich heute noch als Primaten auf den Bäumen.

Neues entsteht, indem man die Komfortzone verlässt und ausprobiert, was geschieht, wenn man etwas anders macht. Das kann alle Lebensbereiche erfassen, es ist mal mit mehr, mal mit weniger Risiko verbunden. Meistens geht es nicht darum, etwas zu tun, was noch nie jemand getan hat – sondern darum, (die eigenen) Möglichkeiten zu erweitern und neue Perspektiven zu gewinnen. Probieren geht über Studieren, sagt der Volksmund und hat recht. Dazu gehört eine gewisse Leichtigkeit: Immerhin gibt es ja keine Verpflichtung, das Erfahrene in ein Sich-neu-Erfinden umzusetzen.

Wir haben ein paar Ideen zusammengetragen, wie Sie spielerisch neue Perspektiven ausprobieren können, allein oder mit der Familie und Freunden. Und wir stellen Ihnen Menschen vor, die sich getraut haben, ihre Gewohnheiten zu verändern und etwas zu probieren – einige ziemlich radikal, andere eher locker, alle sehr inspirierend.

Wie wäre es mit einem Rollentausch, wie ihn unser Autor Jochen Metzger probiert hat (siehe Seite 8). Er und seine Frau überließen für eine Weile den beiden Kindern die Entscheidungen im Haushalt. Und als 1976 Heinz und Dorothea Hess für ihren neugeborenen Sohn partout keine Kinderkleidung finden konnten, die nicht chemisch behandelt war, gründeten sie ihr Unternehmen für natürliche Mode: Hess Natur, heute einer der renommiertesten Anbieter in diesem Segment.

Geschmackserlebnisse garantiert! In der Küche ist Kreativität gefragt.

Eigentlich ist es einfach, in Sachen Lebensmitteln Dinge anders zu machen. Zum Beispiel auf Nachhaltigkeit zu achten, also auf Prinzipien wie diese: Verzicht auf Gentechnik, Schonung natürlicher Ressourcen, Verwertung von Lebensmittelresten, Bio-Anbau, fairer Handel, Regionalität. Wenn wir Produkte von regionalen Lieferanten nutzen, verkürzen sich die Wege, die Ware ist frischer, die Ökobilanz besser.

Je nachdem, mit welchen Lebensmitteln Sie Ihren Einkaufskorb füllen, können Sie diese Nachhaltigkeit unterstützen. So entscheiden Sie nicht nur darüber, mit welchen Lebensmitteln Sie sich etwas Gutes tun möchten, sondern auch darüber, welche Entwicklung Sie denjenigen ermöglichen wollen, die diese Lebensmittel für Sie erzeugt haben. Das Kochen ist ein wunderbares Experimentierfeld. Rezepte sind super, wenn ein verlässliches Ergebnis gewünscht ist. Aber kreatives Kochen macht viel Spaß – und ist risikolos. Wenn es schiefgeht, können Sie immer noch eine Pizza bestellen. Und ganz nebenbei ist kreatives Kochen auch eine sehr nachhaltige Fähigkeit: Sie nutzen Reste und verringern die Lebensmittelverschwendung.

Egal, wie die Langzeitkonsequenz des Probierens ausfällt, in jedem Fall werden Sie um eine Erfahrung reicher sein. Also los, wagen Sie was – und haben Sie viel Spaß dabei!

Was sie immer schon tun wollte

Wer macht denn so was? Sich in einem Rhönrad blamieren, der Schlachtung eines Schweins beiwohnen, auf einer Esoterikmesse das Staunen üben, in eine Fett-weg-Hose schlüpfen und noch 38 Experimente mehr? Isabel Bogdan! Die Autorin wird von einer unersättlichen Neugier angetrieben. Über ihr Projekt, möglichst viel auszuprobieren, hat sie das Buch „Sachen machen“ geschrieben (Rowohlt, 8,99 Euro). Wenn Sie alles gelesen haben, werden Sie plötzlich selbst „Sachen machen“ wollen.

Wein, der auch der Umwelt schmeckt

Seit mehr als 30 Jahren führt tegut… aus Überzeugung Bio-Produkte, und hat im Zuge dessen auch Bio-Weine ins Eigenmarkensortiment aufge-nommen. Zum Beispiel einen nach Demeter-Methode angebauten Rotwein vom Weingut Walfried Sander, eine Cuvée aus den Trauben Regent und Dornfelder. „Die Cuvée hat einen leidenschaftlichen Charakter, der von einem intensiven Kirscharoma geprägt ist“, so Steffen Becker, verantwortlich für das tegut… Wein-Angebot. Das Weingut liegt in Gau-Odernheim nahe Worms. „Seit 1982 wird bei uns konsequent ökologisch gearbeitet“, so Walfried Sander, „sowohl im Weinberg als auch auf den Feldern. Wir wirtschaften zudem biologisch-dynamisch und nutzen die Kraft aus Heilkräutern, Mineralien und Kuhdung aus dem eigenen Stall.“

Leicht, warum und ethisch okay: Daunen aus dem Münsterland

Es gibt kaum etwas Schöneres, als sich bei Kälte in weiche Daunenjacken zu hüllen. Leider ist die Herkunft der Federn und Daunen oft fragwürdig. Das hessische Unternehmen Hess Natur bezieht „faire Daunen“ aus dem Münsterland, von einem Familien- betrieb, bei dem die Gänse glücklich aufwachsen, bis sie zum Verzehr geschlachtet und dann gerupft werden. „Die Zeit ist reif für nachhaltige Mode, für die Verbindung von Ethik und Ästhetik“, so Geschäftsführer Vivek Bakra. hessnatur.com/de

Keine Normalfigur? Egal!

„Bei Zara passen mir nur die Handtaschen!“, zürnt Ulrike Bartos. Jahrelang fand die Kauffrau weder schöne Kleidung ab Größe 42 noch Infos darüber im Internet. „Also schritt ich selbst zur Tat und gründete missbartoz.de“, sagt sie. „Du bist nicht von der Stange“ titelt ihr Blog-Magazin stolz und präsentiert schicke Funde, Stylingideen und Shoppingadressen. „Es ist gekommen, wie ich prophezeit habe: Der Plus-Size-Markt geht heute durch die Decke. Und die Frauen selbst trauen sich was, das ist toll!“

Kleine Fluchten aus dem Alltag

Um Abenteuer und Natur zu erleben, muss man nicht mit dem Bungee-Seil springen oder ans Ende der Welt fahren. Der Norweger Thorbjørn Ekelung, der als Angestellter und Familienvater diese Optionen ausschloss, erfüllt sich seine Sehnsucht mit kleinen Fluchten: Monat für Monat zieht er für eine Nacht in den Wald – zum Fischen, um unter den Sternen zu schlafen, die Stille zu genießen, die Wildnis zu entdecken mit dem kleinen Sohn („Im Wald“, Malik Verlag, 18 Euro). Eine wunderbare Inspiration für alle, die es nach draußen zieht – und die gar nicht schwer nachzumachen ist!

Von Angela Oelckers