18. Juni 2021 Category Icon

Biohof Waas in Landau

Happs – und weg!

Die herrlich knackigen Tomaten von Bio-Landwirt Rudolf Waas haben Naschkatzenqualität. Vielleicht weil er sie nicht nur mit Liebe und Handwerk aufpäppelt – sondern auch mit einer Portion Idealismus.

Bio-Landwirt Rudolf Waas
Teamarbeit: Rudolf Waas kümmert sich um den Anbau des Gemüses – neben den Tomaten gehören Kohlrabi, Süßkartoffeln, Knollensellerie, Rettich und Zwiebeln zum Angebot –, seine Frau Monika organisiert das Büro | Foto: Monika Höfler

Biohof Waas in Landau an der Isar

Dass es an diesem Sommertag drückend heiß ist unter dem Glasdach des Gewächshauses, dass die feuchte Luft zwischen den Stauden steht und fast kein Luftzug durch die Reihen weht: macht ihm nichts aus. Aber dass er jetzt hier fotografiert werden soll? „Stell lieber du dich neben die Tomaten – alles Schöne g’hört zamm!“, ruft Rudolf Waas zu seiner Frau Monika hinüber und lacht, während er sich schon wieder aus dem Bild dreht, ein paar Triebe nach oben wickelt und ein Kraut aus dem Boden zieht, das da nicht hingehört.

Klar, Monika Waas muss genauso mit hinein in eine Geschichte über den Biohof Waas in Landau an der Isar. Weil sie zum Beispiel von ihrem Büro aus dafür sorgt, dass diese herrlich knackigen Datteltomaten von Niederbayern aus in die tegut… Märkte kommen. Aber der Mann, der sich jeden Tag darum kümmert, dass sie überhaupt wachsen, der im Frühjahr Jungpflanzen zieht und ausgeizt, der sie wässert, der schaut, dass sie genug Wärme und Licht bekommen, und sie später dann erntet – der sollte schon auch mit dabei sein.

1500 Tonnen Bioland-Gemüse

Seine Tomaten kommen so gut an, dass er gar nicht so viel produzieren kann, wie er verkaufen würde. Rudolf Waas selbst isst sie am liebsten zusammen mit Mozzarella. Oder einfach so zwischendurch. Denn besonders gut gefällt ihm, dass sie etwas größer sind als andere Datteltomaten, aber trotzdem mit einem Happs in den Mund passen. Dass sie also „ein bissl so eine Zwischengröße“ haben. Und im Grunde passt diese Beschreibung nicht nur auf seine Tomaten, sondern auf seinen gesamten Hof: zwei Wohnhäuser mit angrenzenden Lagerhallen, die sich nur einen Steinwurf von der Isar entfernt an den Hang schmiegen, plus 80 Hektar Felder und Gewächshäuser. Kohlrabi, Knollensellerie, Süßkartoffeln, Rettich, Zwiebeln: Insgesamt 1500 Tonnen Bioland-Gemüse baut er hier mit seinen 20 Mitarbeitern im Jahr an. Das ist eine Menge, aber eben auch weit weg von einem streng rationalisierten Großbetrieb, denn das möchte Waas nicht sein.

Biohof Waas
Einen Steinwurf von der Isar entfernt schmiegen sich 80 Hektar Felder und Gewächshäuser an den Hang. Schon vor über 30 Jahren stellte Rudolf Waas seinen Betrieb auf ökologische Landwirtschaft um | Foto: Monika Höfler

Verbraucher gestalten durch ihren Einkauf unsere Umwelt

„Mein Ziel ist es, gesund klein zu bleiben“, sagt er und findet, dass die tegut… Kunden ihm glücklicherweise dabei helfen. Weil die Entscheidung für eine Tomate im Laden für ihn eben nicht nur eine Entscheidung für eine Tomate ist – sondern darüber, wie man sich wünscht, zu leben. „Durch jeden Einkauf gestaltet der Verbraucher ein Stück weit unsere Umwelt. Wenn ich in den Laden gehe, kann ich entscheiden, auf welche Art das Gemüse, das ich mir aussuche, produziert worden ist. Von einem Betrieb mit Tausenden von Hektar und Feldern bis zum Horizont? Oder unterstütze ich lieber eine klein gegliederte Landwirtschaft, in der die Qualität des Grundwassers vielleicht ein bisschen besser ist und in der es viele Schmetterlinge und Insekten gibt?“


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Umstellung auf ökologischen Landbau bei Waas

Dass sein Landbau ökologisch sein soll, beschloss Rudolf Waas schon vor mehr als 30 Jahren. Obwohl es seinem Vater, in dessen Betrieb er gelernt hat und für den der Verzicht auf Chemie einen unnötigen Rückschritt bedeutete, schwer beizubringen war. „Es hat lange gedauert“, erzählt Waas und kann dabei heute lachen, obwohl die Zeit für ihn keine einfache war. „Aber als sich dann der Erfolg eingestellt hat, hat er es irgendwann akzeptiert.“

Rudolf Waas ist ein Bodenfachmann

Bio-Landwirt zu sein, das bedeutet für ihn vor allem, der Natur zu helfen, Kreisläufe zu schließen. So wenig Hilfsstoffe von außen einzubeziehen wie möglich, sondern darauf zu vertrauen, dass die Natur sich selbst das beste Recyclingsystem ist. Und dass alles, was sich zersetzt, etwas Neues gedeihen lässt. „Auf den Boden kommt es an, der ist das Wichtigste“, erklärt er etwas später an diesem Tag, als er auf dem Kohlrabiacker nach dem Rechten sieht und ein paar Erdklumpen durch seine großen Hände gleiten lässt, als wären es Südseeperlen.

„Wir leben von diesen obersten 20 Zentimetern, das ist sozusagen die Haut.“ Mit den Jahren ist Rudolf Waas ein wahrer Bodenfachmann geworden, mit einem Wissensschatz, den er gerne teilt: in Vorträgen, für die er von Landwirtschaftsverbänden in viele verschiedene Bundesländer eingeladen wird. Aber er denkt dabei auch an seine Familie. „Ich habe diesen Boden von meinen Eltern übernommen und möchte ihn meinen Kindern noch fruchtbarer weitergeben, das ist das Ziel.“

Bio-Hof Waas
Die Voraussetzung für exzellentes Gemüse? „Auf den Boden kommt es an, der ist das Wichtigste“, sagt Bio-Landwirt Waas. Für ihn ist die Natur selbst das beste Recyclingsystem | Foto: Monika Höfler

Eine Prise Exotik für den elterlichen Betrieb

Sohn Michael arbeitet seit dem Landwirtschaftsstudium bereits fest im elterlichen Betrieb und ist gerade dabei, dem niederbayerischen Hof eine Prise Exotik beizumischen: In einem kleinen Gewächshaus experimentiert er mit Ingwerpflanzen. Auch Vater Rudolf hat so ein Hobbygemüse: Wenn er
mal abschalten möchte, dann kümmert er sich um seine selbst gekreuzte Zwiebel, die „Red Rudi“: Rosafarben ist sie, aber dennoch kräftig im Geschmack. „Es gibt Leute, die stehen am Samstag im Fußballstadion oder fahren den ganzen Tag mit dem Motorradl rum, aber ich hab halt Freude am Pflanzen“, sagt Waas und muss dabei selbst ein bisschen schmunzeln. 10 Generationen, also 20 Jahre dauert es, bis eine neue Zwiebelsorte entstanden ist. Er ist jetzt in der 9., spätestens zu seinem 65. Geburtstag soll die rote Rudi fertig sein. Und wer weiß, vielleicht gibt es dann bei tegut… einen neuen Verkaufsschlager.

Biohof Waas bei tegut…

Zurzeit finden Sie die Dattelcherrytomaten und Kohlrabi im Sortiment, ab September Knollensellerie, Süßkartoffeln und rote Zwiebeln – alles in Bio-Qualität.

Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie vom Bio-Hof Waas

Hier lernen Sie weitere tegut... Produzenten kennen. 

Von Mareike Opitz

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