12. August 2019 Category Icon

Boden wieder gut machen

Es wird Zeit, dass wir aufhören, die Erde rücksichtslos zu behandeln und damit eine unserer wichtigsten Ressourcen zu ruinieren. Nur auf den ersten Blick ist nämlich nicht zu sehen, wie wichtig der Boden für unser Überleben ist.

Erde, Pflanzen
Foto: Shutterstock

Ein Prozent würde reichen. Ein winziges Prozent mehr Humus auf der Welt, und der Kampf gegen den Klimawandel wäre so gut wie gewonnen. Der Klimakiller CO2 ist der Hauptbestandteil der oberen Humusschicht des Bodens. Die ist zwar nur 10 bis 30 Zentimeter dick, speichert global aber mehr Kohlenstoffdioxid als die Erdatmosphäre und die gesamte Vegetation zusammen. Ein Prozent nur, und der Gehalt von CO2 in der Luft würde auf ein fürs Klima ungefährliches Maß reduziert.

Wichtiger Humusanteil im Boden verringert sich

Würde. Denn das Gegenteil ist der Fall. Waldrodungen und industrielle Landwirtschaft führen dazu, dass sich der Humusanteil der Böden immer weiter verringert. „In der Landwirtschaft, wo viel Gülle und Mineraldünger, aber zu wenig organischer Kohlenstoff aus Pflanzenresten oder Mist aufs Feld gelangen, kommt es zu einer geringeren Vielfalt von Bodenlebewesen“, sagt die Agrarwissenschaftlerin und Bodenexpertin Andrea Beste, auch das führe zum Humus-Abbau.

Experten wie die Agrarwissenschaftlerin Andrea Beste fordern einen Umbau der Landwirtschaft. Sie sagt: „Wir brauchen mehr Vielfalt auf dem Feld.“ | Foto: Thomas Pirot

Humus ist ein kleines ökologisches Wunder. Nicht nur seine Eigenschaft als Speicher von Kohlenstoffdioxid ist faszinierend, sondern auch seine Qualität als Lebensraum: In einer Handvoll Humus leben mehr Lebewesen als Menschen auf der Erde. Regenwürmer, Milben, Pilze, Bakterien, Mikroorganismen. Tiere wie der Regenwurm durchmischen den Boden und tragen nach ihrem Tod selbst zur Humus­bildung bei. Bakterien und Pilze wiederum sind an vielen Vorgängen des Zersetzens und Umwandelns beteiligt. Der Klimakiller CO2 ist der Hauptbestandteil der oberen Humusschicht des Bodens.

Sorgsam gehen wir mit diesem Geschenk der Natur nicht um. Böden dienen uns als Grundlage für die Nahrungsproduktion, neuerdings auch als Standort für Energie- oder Industriepflanzen. Humus verschwindet auch, weil Böden ausgehoben werden, um Rohstoffe zu fördern oder um Abfälle zu deponieren. Und: Schon 13,4 Prozent der Flächen in Deutschland sind als Siedlungs- und Verkehrsfläche versiegelt, täglich kommen 81 Hektar oder etwa 113 Fußballfelder hinzu. Zwar hat sich der Flächenverbrauch verringert – er betrug 2007 noch 87 Hektar pro Tag –, das Ziel der Bundesregierung ist aber noch weit entfernt: Laut Nachhaltigkeitsstrategie sollen im Jahr 2020 nur noch 30 Hektar Boden täglich verbraucht werden.

Probleme für unseren Boden – und wie man sie lösen kann

Auch die Verdichtung ist ein Problem für Böden und ihre Humusschicht. 10 bis 20 Prozent der landwirtschaft­lichen Flächen, so schätzt Beste, sind durch Verdichtung beeinträchtigt. Die Maschinen in der Landwirtschaft sind immer leistungsfähiger und schwerer geworden. Im Extremfall, etwa bei einem Roder für Rüben, müssen Böden ein Gewicht von 60 Tonnen aushalten. Diese Lasten beeinträchtigen die Versickerung von Regenwasser und die Lebensbedingungen für die Bodenorganismen.

„Monokulturen vermindern zusätzlich die Widerstandsfähigkeit von Böden gegen Starkregen und Dürren“, erklärt Beste. „Wenn es heftig regnet, schießt das Wasser über die verdichtete Oberfläche und kann nicht gespeichert werden.“ Bei Dürre wiederum seien die Pflanzen dann schlechter versorgt. „Der Maisanbau ist in den vergangenen 10 Jahren um eine Million Hektar gewachsen, besonders für die Nutzung in Biogasanlagen.“ Sein Anbau in Monokulturen laugt die Böden aus und erfordert einen hohen Düngereinsatz.

„Wir müssen die Landwirtschaft grundlegend umbauen“

Was sich ändern muss, um Humus zu erhalten oder sogar aufzubauen? „Wir müssen die Landwirtschaft grundlegend umbauen“, fordert Beste. „Wir brauchen mehr Vielfalt auf dem Feld, Mischkulturen statt Monokulturen.“ Chemisch-synthetische Dünger müssen drastisch reduziert werden. Stattdessen muss gemulcht, also Kompost ausgebracht werden. Es sollte auf Pestizide (sogenannte Pflanzenschutzmittel) so weit wie möglich verzichtet und stattdessen auf mechanische Unkrautregulierung zurückgegriffen werden. „Auch die Bodenbearbeitung durch Pflügen sollte bestenfalls nicht mehr stattfinden“, rät Beste.

Jede tiefe Furche führe dem Boden Luft zu. Das erhöht die Mineralisierung im Humus, die dann zu seinem Abbau führt. Wenn es die Bodenbedingungen zulassen, reichen Geräte wie Egge oder Grubber aus, sogenannte nichtwendende Systeme. „Diese Maßnahmen fördern die biologische Aktivität des Bodens und seiner Lebewesen, sie bauen Humus auf und schützen somit langfristig das Klima.“

Von Christian Sobiella

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