7. März 2019 Category Icon

Einkaufszettelpoesie Nr. 3

Einkaufszettel sagen einiges über Menschen aus, über ihre Talente oder das Gegenteil davon

Die Wahrheit ist verrückter als die Fantasie. Als das Klischee sowieso. Glauben Sie mir, ich war dabei (also, fast). Es war gegen 18.30 Uhr, als alle Einkäufe auf dem Tisch standen, in der Kunststudenten-WG im 4. Stock. Erst mal ’ne Fluppe oder vier. Zack, die Chips auf, Krümel hier, Qualm da.

Gefunden in der tegut… Filiale in Kassel-Marbachshöhe

Kreative Geister brauchen eine ebensolche Atmosphäre, die – unterstützt von einigen Bieren – der Nährboden von großen Werken sein soll. Um 21.36 Uhr werden die ersten Mentos in Colaflaschen gestopft und in Richtung der mannshohen Leinwände gehalten. Die aufgrund der chemischen Reaktion entstehende Sauerei hinterlässt schnell ihre sprudelnden Spuren: Figuren, die an alles und nichts erinnern.

In Anlehnung an Joseph Beuys wird das Stück Butter über die Leinwand gerieben und dann wieder im Kühlschrank deponiert (der BWL-Student weiß ja von nix). Dann reiben sich zwei der angehenden Künstler mit Nutella aus 23 Gläsern (der Rest ist Eigenbedarf) ein und rollen sich über den Leinwänden ab, während sie versuchen, eine halbe Tube Senf zu schlucken.

In der Ecke der zugequalmten Studenten-WG sitzt völlig unbeeindruckt ein Kunstdozent mit einem Kaffee und Sahne in der einen Hand, während die zweite sich in der Tüte Studentenfutter verlustiert. Er scheint darüber zu sinnieren, was die Werke der Studenten wohl zu sagen haben. In Wahrheit jedoch denkt er sich: „Wenn das Kunst werden soll, dann sollten sie besser Lotto spielen“, lächelt in sich hinein und denkt an die Zeit zurück, als man Dozenten noch Professorenfutter anbot.

Hier finden Sie noch mehr Einkaufszettelpoesie.

Von Dirk Henkelmann

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