14. August 2019 Category Icon

Einkaufszettelpoesie Nr. 6

Einkaufszettel sagen einiges über Menschen aus, über ihre Normalität und auch das Gegenteil.

Gefunden in der tegut… Filiale in Fulda, Kaiserwiesen Fulda liegt bekanntlich in der Mitte unseres schönen, zivilisierten und insgesamt doch recht gelungenen Landes. Und diese Mittellage überträgt sich auch auf die Bewohner dieser Bischofsstadt. Sie sind mittelgroß, mittel­links und mittelrechts, sprich maximal normal.Sie geben ihren Kindern deren heiß geliebte Smacks und Cornflakes mit Sesam und Multisaft, essen selbst ab und zu mal Bratwürste, vielleicht beim Grillen mit den Freunden aus dem Literaturkreis. Die Menschen in Fulda greifen ausreichend und durchaus gerne zu frischem Gemüse, von Gurken bis Paprika, sind aber pragmatisch genug, auch mal mit Tiefkühlerbsen klarzukommen.

Der tegut... EinkaufszettelWenn sie Marmelade auf ihr Brot streichen, dann natürlich Erdbeere, wie die Mehrheit des Landes. Doch auch weltoffen sind sie und beherbergen in ihrer Obstschale Ananas und Pampelmusen, in der Süßigkeitenschublade Oreo-Kekse, und im Kühlschrank wartet eine kleine kulinarische Reise in die Schweiz: schön nett Raclette.

Aber ein echter Fuldaer vergisst auch nicht, wo er herkommt. Schwartenmagen mit Kartoffeln ist ebenso gern gesehen und gegessen wie Salami oder Mortadella. In der Mitte zu sein bedeutet von allem etwas, von nichts zu viel. Nicht mal vom Schweißgeruch, denn da greift man ja zum Duschgel, die Menschen in der schönen Stadt kann man gut riechen.

Und wenn dann die tiefe Nacht Fulda umarmt, die Kinder schlafen und die Rollläden den Laternenschein und die Blicke der Nachbarn aussperren, macht man sich auch im Elternschlafzimmer bettfertig. Mit einer Peitsche.

Hier finden Sie noch mehr Einkaufszettelpoesie.

Von  Dirk Henkelmann

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