21. Dezember 2020 Category Icon

Essen braucht Zeit

Genuss und Gesundheit: Nur die Ruhe

Unterwegs eine Bratwurst, am Rechner ein Sandwich, vorm Fernseher Chips: Wer oft zu schnell isst, riskiert Gesundheit und Genuss. Denn beides braucht Zeit – möglichst 20 Minuten.

Essen braucht Zeit
Genuss, Lebensfreude und eine gute Bekömmlichkeit gewinnt, wer mit Achtsamkeit und Zeit sein Essen zu sich nimmt | Foto: Getty Images

Mahlzeiten: Schlingen statt genießen

Unsere heutige Welt scheint sich immer schneller zu drehen: Hektik, Terminstress, ständige Ablenkung durch allgegenwärtige digitale Medien. Entsprechend essen viele auch: im Stehen, im Gehen oder am Arbeitsplatz. Statt Mahlzeiten zu genießen, schlingen wir sie oft herunter, schnell und unachtsam. Dabei leben Menschen, die bewusst und in Ruhe essen, gesünder, zufriedener – und schlanker.

Nicht nur guter Wein entfaltet seine Geschmacksnuancen, wenn er länger im Mund bleibt – auch beim Essen ist das so

Dass langsames Essen gut für die Figur ist, wissen Experten schon lange. Etliche Untersuchungen belegen das, unter anderem eine Studie der University of Rhode Island in Kingston. 30 weibliche Probanden wurden dabei in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine bekam den Auftrag, ihre Mittagsmahlzeit so schnell wie möglich zu essen, die andere sollte sich Zeit lassen und jeden Bissen mindestens 15-mal kauen. Das Resultat: Die Schnellesserinnen nahmen im Schnitt 646 Kalorien zu sich, die langsamen Esserinnen nur 579. Außerdem fühlte die zweite Gruppe sich besser gesättigt und zufriedener.

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Wann sind wir satt

Der Grund für die unterschiedliche Kalorienaufnahme bei unterschiedlicher Essgeschwindigkeit ist ein organischer: Unser Körper sendet erst frühestens 15 Minuten nach Beginn einer Mahlzeit Sättigungssignale. Wer schlingt, hat bis dahin deutlich mehr gegessen als jemand, der sich Zeit lässt. Die Folge: Die Turbo-Esser, so das Resultat einschlägiger Studien, haben ein dreimal höheres Risiko für Übergewicht und daraus resultierende Krankheiten.

Zeit zum Essen nehmen
Pause geht anders: Wer sein Essen vor dem Computer herunterschlingt, merkt nicht, wann er satt ist. | Foto: Shutterstock

Pro Mahlzeit 20 Minuten einplanen

Pro Mahlzeit sollte man deshalb mindestens 20 Minuten einplanen. Kauen Sie Bissen für Bissen, jeden mindestens 15-mal. Das mag am Anfang anstrengend sein, hilft aber gut dabei, ein Gefühl für die eigene Essgeschwindigkeit zu bekommen.
Doch die Kalorienaufnahme ist nur einer der guten Gründe, ganz in Ruhe zu essen. Mindestens genauso wichtig sind Genuss, Lebensfreude und eine gute Bekömmlichkeit. Wer sein Essen genießt, genießt auch sein Leben. Langsam zu essen heißt auch Geschmack, Aroma und Konsistenz einer Mahlzeit ganz bewusst wahrzunehmen. Schweizer Wissenschaftler fanden heraus: Nicht nur guter Wein entfaltet seine Geschmacksnuancen besser, wenn man ihn länger im Mund behält – das Gleiche gilt auch für Lebensmittel wie Obst oder Gemüse.

Langsam essen ist gut für die Verdauung

Darüber hinaus hat das langsame Essen eine positive Auswirkung auf die Verdauung. Denn die beginnt schon mit dem Kauen. Dabei werden Speisen mit Speichel vermischt, der Enzyme enthält, die die erste Phase der Kohlenhydrat­verdauung auslösen. Je länger wir Lebensmittel durchkauen, desto reibungsloser verläuft der anschließende Verdauungsprozess.

Und nicht zuletzt kann man langsames Essen auch als ganz bewusste Entscheidung verstehen: für mehr Achtsamkeit – und gegen Fast Food, Hektik und Reizüberflutung. Wenn Sie essen, dann essen Sie. Punkt. Und gehen in Gedanken nicht schon den nächsten Termin durch oder checken auf dem Smartphone, welche Themen gerade in den sozialen Netzwerken der neueste Trend sind. Grundsätzlich gilt: Beim Essen so wenig Ablenkung wie möglich.

Entschleunigung lautet das Zauberwort. Anders gesagt: Mahlzeiten sollten wieder häufiger zum Ritual werden. Zu Pausen und Genussinseln im Alltag. Mit guten Freunden gut essen, entspannt reden und sich Zeit nehmen für das, was man auf dem Teller hat. Je hochwertiger die Zutaten sind, desto leichter fällt übrigens das bewusste Essen. Denn wer würde schon ein selbst gemachtes Trüffel-Steinpilz-Risotto herunterschlingen?

Auch für sich alleine decken

Doch gerade in Zeiten von Corona fällt vielen diese Art zu essen schwer. Schließlich ist im Homeoffice die Versuchung groß, morgens oder mittags allein am Schreibtisch schnell nebenbei zu essen und dabei auf den Computerbildschirm zu schauen. Die wichtigste Voraussetzung ist die simple Erkenntnis: Genuss geht nicht nebenbei. Genuss braucht Zeit. Nur wer sich diese Zeit nimmt, kann seine Mahlzeiten bewusst und in Ruhe zu sich nehmen. Also: Decken Sie auch für sich alleine ruhig den Tisch und genießen Sie Ihren Mittagssnack im Homeoffice in aller Ruhe!

Denn immerhin das hat Corona gebracht – laut aktuellem Ernährungsreport des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft kochen die Deutschen wieder mehr selbst (30 Prozent). Lassen Sie es sich schmecken!

Von Bruntje Thielke

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