18. Dezember 2020 Category Icon

Die Fahner Frucht GmbH in Thüringen

Die Liebe für das leise Obst

Warum bei Fahner Frucht im Thüringer Becken der Apfelsaft eine Auslese und keine Auflese ist. Und was Erich Honecker damit zu tun hat.

Jessica Liebetrau
Bis zu 45.000 Flaschen werden pro Schicht abgefüllt. Ökotrophologin Jessica Liebetrau wacht über Qualität und Abläufe | Foto: Roger Hagmann

Die Obstplantagen der Fahner Obst­bau

Ein weiß-blauer Himmel wölbt sich an diesem kühlen Morgen über die Hügel der Fahner Höhe, an sanft abfallende Hänge schmiegen sich unterhalb des Waldrandes stramm ausgerichtete Reihen mannshoher Pflanzen – wie im Weinberg. Doch hier wachsen keine Reb-, sondern Apfelstöcke. So könnte man die flach und senkrecht geschnittenen Büsche nennen, an denen die Früchte leichter geerntet werden können als von den ausladenden Kronen traditioneller Apfelbäume.

Es ist nur eine von vielen Obstplantagen der Fahner Obst­bau GmbH, in denen auf rund 1.000 Hektar Anbaufläche am Südwestrand des Thüringer Beckens zwischen Erfurt und Gotha Kirschen, Birnen, Pflaumen, Mirabellen, Aprikosen oder Pfirsiche gedeihen. Mit Kirschen, die der Pastor Johann Sickler 1791 in Kleinfahner auf den fruchtbaren Böden aus Muschelkalk, Mergel und Löss pflanzte, fing es vor über 200 Jahren an. Daraus entwickelte sich der weitläufige und vielfältige Thüringer Obstgarten, in dem der Apfel mit weit über einer Million Bäumen „der King“ ist.

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Martina Helmboldt – Expertin für Pflanzenschutz

Das ist auch Martina Helmboldt zu verdanken, einer leidenschaftlichen Expertin für Pflanzenschutz und Qualität von Äpfeln, die ihresgleichen sucht, nicht nur in Thüringen. Seit 43 Jahren ackert sie in den Plantagen, zuerst für die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) „Fahner Obst“ zu DDR-Zeiten, als der Staatsratsvorsitzende Erich Honecker seinen Bürgerinnen und Bürgern noch empfahl, fleißig Äpfel zu essen – Orangen und Bananen gab es ja nicht. Sie half nach der Wende, aus dem Baumbestand der LPG neue Plantagen wachsen zu lassen und die Fahner Obstbau GmbH aufzubauen, Pleite und Angst um Arbeitsplätze im Nacken.

Eisern ist sie in diesen Jahren geworden, unnachgiebig, wenn es um die Qualität und die Reputation ihrer Äpfel geht, die sich gegen internationale Konkurrenz und den Hype um neue Trendsorten behaupten müssen. Und sie macht dabei keinen Unterschied, ob ein Apfel später als Stückobst verkauft wird oder als naturtrüber Direktsaft in der gläsernen Mehrwegflasche der Schwesterfirma Fahner Frucht GmbH landet.

„Wie im Märchen geht es nicht zu auf den Plantagen, das ist von Anfang bis Ende schwere Handarbeit.“

Schwere Handarbeit auf Apfelplantagen

Der Weg dahin ist lang und beschwerlich. Zwar glaubten viele Verbraucher, kritisiert Helmboldt, die Massenware Apfel sei leicht zu ziehen. Sie verlangten rundum rote Früchte oder „diese rotgelben Schneewittchen-Äpfel“. Doch wie im Märchen geht es nicht zu auf den Plantagen, „das ist von Anfang bis Ende schwere Handarbeit“.

Schon wenn Blätter und Blüten noch jung sind, werden die Apfelpflanzen von oben bis unten attackiert – Spinnmilben, Läuse, Apfel- und Schalenwickler müssen abgewehrt werden. Auch am Boden sind die Stämmchen nicht sicher, wenn die Hasen was zu knabbern suchen. Da die Obst­betriebe einem „naturnahen, kontrollierten, integrierten Anbau“ verpflichtet sind, werden Nützlinge wie Raubmil­ben losgeschickt oder Fallen mit dem Sexuallockstoff Pheromon aufgehängt, dem etwa der Apfelwickler nicht widerstehen kann. Helmboldt und ihr Team zählen dann im Labor die Schädlinge und berechnen, wann ein Schwellenwert erreicht sein wird. Erst dann wird ein Insektizid eingesetzt, „so muss ich nicht zwanzig Mal behandeln“.

Fahner Frucht GbmH
Foto: Roger Hagmann

Der Einfluss des Klimawandels

Und dann der Klimawandel. Die Äpfel fühlen sich im windgeschützten und frostarmen Thüringer Becken zwar wohl. Doch da es weniger regnet als anderswo, ist Wasser knapp und Berieselung teuer. Helmboldt resümiert nach dürren Zeiten: „Unser Ertrag 2020 war um 60 bis 70 Prozent niedriger als im Jahr davor.“

Wenn schließlich, zur Ernte im September, die Pflücker und Pflückerinnen aus Polen, Rumänien und der Ukraine anrücken, dann lässt Martina Helmboldt all ihre Strenge walten. Die Gruppen erhalten frühmorgens genaue Qualitätsparameter für die Sorten Red Jonaprince und Pinova, Eveli­na oder Elstar und Braeburn: Wenn etwa Kaliber 55 geerntet werden soll, dann dürfen nur Äpfel mit 55 Millimetern Durchmesser gepflückt werden, das können die Arbeiter und Arbeiterinnen mit Messringen nachprüfen. Auch die Farbe ist vorgegeben, gleichmäßig soll sie sein.

Saisonarbeiter bei der Apfelernte
Foto: Roger Hagmann

Qualitätssicherung  bei der Apfelernte

Viermal täglich prüft Martina Helmboldt in dieser Zeit auf den Plantagen die Qualität. „Äpfel und Eier sind sensible Produkte“, sagt sie, „man muss sie mit Liebe behandeln und darf sie nicht rumschmeißen.“ Die Beutel, die sich Pflückerinnen und Pflücker umhängen, sind oben weit und unten eng: Wird der gesammelte Inhalt, jeweils bis zu 13 Kilo schwer, ausgeleert, gleiten die Äpfel einer nach dem anderen sachte in die großen Erntekisten.

Helmboldt: „Äpfel sind ein leises Obst. Sobald Sie den Apfel hören, gibt es Flecken.“ Das sind dann Kandidaten für den Saft. Äpfel mit Druckstellen, rauen „Frostplatten“ auf der Schale oder ohne Stiel werden zum Versaften aussortiert.
Im Geschmack sind sie zwar alle gleich. Doch wer den Schönheitswettbewerb nicht gewinnt, kommt bei der Fahner Frucht GmbH in Gierstädt nach dem Waschen, Sortieren und Maischen in die Presse. Hier wacht die Ökotrophologin Jessica Liebetrau über Qualität und Abläufe.

Martina Helmboldt
Eisern und unnachgiebig: Martina Helmboldt ist Expertin für Pflanzenschutz und die Qualität von Äpfel. Den Betrieb baute sie nach der Wende mit auf | Foto: Roger Hagmann

Zertifikat für ökologisch erzeugte Lebensmittel

In der Abfüllanlage wird das leise Obst dann sehr laut. Bis zu 45.000 Flaschen pro Schicht klirren auf den Bändern vorwärts. Jede muss nach dem Waschen in einem Prüfgerät ein Selfie von sich abliefern, das in Sekundenbruchteilen auf Fremdkörper, Schäden oder Restflüssigkeit abgescannt wird. Erst dann fließt der mild pasteurisierte Saft in die blitzsauberen Flaschen. Dass die Produkte auch das Siegel „Geprüfte Qualität aus Thüringen“ tragen, ist für Florian Steinbrück, 34, Geschäftsführer bei Fahner Frucht, eine Bestätigung des Kurses. Das Unternehmen lässt sich freiwillig von einer Schutzgemeinschaft der Branche kontrollieren und hat auch ein Zertifikat für ökologisch erzeugte Lebensmittel.

Fahner Frucht GmbH
Foto: Roger Hagmann

Fahner Obst und tegut…

Kein Wunder, dass die Geschäftsbeziehungen zu tegut… seit über zehn Jahren gedeihen. Steinbrück: „Die Werte der beiden Unternehmen, die Ansprüche an Regionalität, Qualität und Nachhaltigkeit überschneiden sich.“
Saft sei allerdings nicht Saft, erläutert Steinbrück, denn „die Branche ist eine der verwirrendsten, die es gibt“. Dem Verbraucher, der sich durchfinden muss durch einen Wust von Bezeichnungen, gibt er eine Faustregel mit: Alles, was man nach dem Auspressen einer Frucht sofort trinken kann, ist Direktsaft. Alles, was etwa wegen der Säure ungenießbar ist, wird mit Wasser und Zucker zu Nektar verarbeitet. Alles, was aus Konzentrat hergestellt oder stärker verdünnt wird, ist ein Fruchtsaftgetränk.
Fahner Frucht aber konzentriert sich auf naturbelassene Direktsäfte und Nektare. Für alles andere wären Martina Helmboldts edle Äpfel oder die Nachfahren von Pfarrer Sicklers Kirschbäumchen einfach zu schade.

Fahner bei tegut…

Von der Fahner Frucht GmbH finden Sie in unseren Märkten den Sauerkirsch-Nektar klar, den Apfel-Direktsaft naturtrüb und die sonnengereiften Äpfel aus Thüringen im 3-kg-Karton unserer Marke mit dem tegut… Reinheitsversprechen. Nektar bzw. Saft sind in 1-Liter-Mehrwegflaschen abgefüllt und an dem „Ohne Gentechnik“-Zeichen und dem Regionalfenster gut zu erkennen.

Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie und werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Fahner Frucht GmbH

Hier lernen Sie weitere tegut... Produzenten kennen. 

Von  Uly Foerster

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