16. Oktober 2020 Category Icon

So trainieren Sie ihr Gehirn

Fit im Kopf

Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann, heißt es. Tatsächlich bildet unser Gehirn das ganze Leben lang neue Zellen und neuronale Verbindungen aus, die uns geistig fit und mental flexibel halten – aber nur, wenn wir etwas dafür tun. Wir haben da ein paar Ideen für Sie …

Gehirn trainieren
Foto: Stocksy

Guten Tag Frau … äääh …“: Vergesslichkeit kann ganz schön peinlich sein. Aber keine Sorge, das passiert jedem mal, meistens unter Stress. Vor allem aber lässt sich das Gehirn wunderbar trainieren, davon profitieren dann dauerhaft nicht nur das Gedächtnis, sondern auch die Konzentration und unsere Fähigkeit, uns auf neue Situationen und Anregungen einzustellen. Entscheidend sind drei Faktoren: Ernährung, Bewegung und geistige Aktivität.

Nervennahrung

Die etwa 100 Milliarden Nervenzellen in unserem Kopf verbrauchen fast ein Viertel der Kalorien, die wir essen. Zwar können wir nicht die Weisheit mit Löffeln fressen, wie in der Redensart, dafür aber die grauen Zellen mit einem cleveren Speiseplan fit machen. Auf diesen gehören viel frisches Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkornprodukte, hochwertige Pflanzenöle. Die ungesättigten Fettsäuren in diesem Mix helfen, neue Nervenzellen aufzubauen, Vitamin B1 zum Beispiel ist wichtig für den Kohlenhydratstoffwechsel, die Vitamine C und E wirken an den grauen Zellen als Schirm gegen freie Radikale. Und nicht vergessen: täglich 1,5 bis 2 Liter Wasser sind ein Muss!


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Kräftige Neuronen

Bewegung hält nicht nur den Körper fit, sondern auch das Gehirn: Die Durchblutung und Sauerstoffversorgung verbessern sich. Forscher an der Uni Pittsburgh fanden heraus, dass zudem Neurotransmitter aktiv werden, ebenso Wachstumshormone, die für die Bildung neuer Neuronen im Hirn zuständig sind. Dreimal die Woche 40 Minuten sind ideal. Tatsächlich lässt sich unser Gehirn sogar ähnlich trainieren wie ein Muskel.

Der Gesundheitscoach Horst Lutz hat dafür ein eigenes Programm entwickelt: „Life Kinetik“, das anders als klassischer Denksport auf körperliche Aktivität setzt. Die wirkt zunächst wie kuriose Choreografie: z. B. Arme und Beine gegengleich nach vorn strecken, der rechte Arm tippt an die Ferse des linken Fußes. Doch dahinter steckt System: „Die Bewegungselemente werden in verschiedenen Gehirnarealen koordiniert, für eine Sequenz müssen sie zusammenarbeiten“, erklärt Lutz. Dieses Teamwork setze sich im Alltag fort: Großhirnrinde und Hirnstamm – also Verstand und Gefühl – kommen ins Gleichgewicht, das Denken im Vorderhirn verknüpft sich besser mit unserem Langzeitgedächtnis und unserer visuellen Wahrnehmung in den hinteren Hirnregionen. Konzentration und Merk­fähigkeit steigen sowohl kurz- wie auch langfristig. Wenn Sie es mal ausprobieren wollen: Wir haben eine Basisübung mit Variationen für Sie, siehe links!

Unser Hirn muss gefordert werden

Unsere Hirnkapazitäten müssen allerdings auch gefordert werden, sonst werden sie abgebaut: Use it or lose it. Kreuzworträtsel genügen da nicht – probieren Sie lieber häufiger Neues. Eine Sprache lernen, Tango tanzen, Mühle spielen – Hauptsache, raus aus der Routine. Krempeln sie Gewohnheiten um, putzen Sie die Zähne mit der anderen Hand als sonst. Wenn wir uns mit Neuem beschäftigen, gibt es, wie Forscher feststellten, eine stärkere Aktivität im präfrontalen Cortex, jener Region des Gehirns, die die Persönlichkeit prägt. Sobald wir uns geistig fordern, prägen wir unseren Charakter, werden offener und zugänglicher. Tun wir es nicht, landen wir irgendwann im Altersstarrsinn. Apropos Alter: Für Gehirntraining ist es nie zu spät. Die neuronale Plastizität unseres Gehirns, seine Fähigkeit, neue Verbindungen zwischen Hirnzellen herzustellen, behalten wir ein Leben lang.

Kinetische Übungen: Parallel-Ball

Diese Übung aktiviert und koordiniert mehrere Gehirnregionen. Sie brauchen zwei kleine Bälle (am besten Jonglierbälle oder -säckchen, die rollen nicht weg, wenn sie fallen). Wenn die Basisübung fünf von zehn Malen klappt, steigern Sie nach und nach den Schwierigkeitsgrad (nicht erst, wenn sie perfekt sind, es geht um den Weg, nicht das Ziel!).

Basisübung für Gehirntraining

  1. Füße schulterbreit stellen, in den geöffneten Händen je einen Ball halten.
  2. Beide Bälle parallel 20–30 cm hochwerfen.
  3. Während die Bälle in der Luft sind (erst dann!), die Unterarme kreuzen, rechter Arm oben.
  4. Die Bälle mit gekreuzten Armen fangen.
  5. Aus dieser Position Bälle hochwerfen.
  6. Arme lösen, Bälle parallel fangen.
Basisübung für Gehirntraining
Foto: Ulli Seer/BLV Verlag

Variationen für’s Gehirntrainig

  1. Wie die Basisübung, jetzt aber abwechselnd den rechten und den linken Arm oben.
  2. Die Bälle mit nach unten gewendeten Händen halten (Handrücken oben), 20–30 cm hochziehen, loslassen, mit gleicher Handhaltung wieder ergreifen.
  3. Das dann auch mit Überkreuzen der Arme kombinieren.
Gehirn trainieren Übungen
Foto: Ulli Seer/BLV Verlag

Diese Übung und weitere 24 Basisübungen mit 180 Variationen finden Sie in dem Buch von Horst Lutz: „Live Kinetik – Gehirntraining durch Bewegung“ (BLV Verlag). Weitere Infos unter lifekinetik.de

Von Angela Oelckers

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