8. August 2019 Category Icon

Gezähmte Beeren und lachende Kirschen

Von Uly Förster

Ein Familienbetrieb baut am fränkischen Untermain naturnah alles an, was heimisches Obst ist.

Himbeeren
Himbeeren sind die Sensibelchen auf dem Kastanienhof: Sie dürfen nicht gedrückt und nicht zu feucht werden – und brauchen besonderen Schutz | Foto: Andreas Reeg

Obst, überall Obst. Entlang der Außenwand des Hofladens: Birnbäume. Vor der Scheune: ein kleines Versuchsfeld mit 33 neuen Stöcken Tafeltrauben. Neben der Einfahrt: Sauerkirschen, Quitten. Jeder Quadratmeter wird hier, so scheint es, auch außerhalb von Feldern und Plantagen für Früchte genutzt. Und ja, eine Kastanie steht, der Symbolik wegen, auch noch auf dem zentralen Geviert, schließlich heißt das Unternehmen „Kastanienhof Ludwig“.

Kastanienhof Familie Ludwig
Seit vier Generationen bauen die Ludwigs Obst auf dem Kastanienhof an. Foto: Andreas Reeg

Ludwigs, überall Ludwigs. Mehr Familienbetrieb, mittlerweile in vierter Generation, geht nicht. Väter, Mütter, Brüder, Onkel, Tanten, Söhne, Vettern und Basen: Fast ein Dutzend Ludwigs bewirtschaftet rund 68 Hektar Betriebs­fläche im churfränkischen Klingenberg-Röllfeld, am Rand des Spessarts – manchmal, zu Erntezeiten, sind es noch mehr. Ihr Versprechen ist die „naturnahe Produktion von heimischem Obst in größtmöglicher Vielfalt auf höchstem Niveau“, von der Pflanzung bis zum Verkauf.

Sebastian Ludwig – einer von drei Geschäftsführern

Kastanienhof
Seit vier Generationen bauen die Ludwigs Obst auf dem Kastanienhof an. | Foto: Andreas Reeg

Sebastian Ludwig, 36, ist einer von ihnen. Als einer von drei Geschäftsführern (die andern beiden sind Bruder und Cousin) sorgt er dafür, dass die Vielfalt vermarktet wird. Das sind „praktisch alle Arten von heimischem Obst“ und mehr: Äpfel in bis zu 27 und Birnen in sieben Sorten, Quitten, Kirschen, Zwetschgen, Mirabellen, Aprikosen, Nektarinen, Pfirsiche; Erd-, Him- und Brom-, Stachel- und Johannisbeeren; dazu Spargel und Walnüsse.

Das Geschäft kennt Ludwig „in allen Varianten“. Als junger Mann half er auf Wochenmärkten, die der Hof neben Großabnehmern, Gastronomie und Fachgeschäften beliefert. Dann lernte er Obstbauer und machte in zwei Wintersemestern seinen Meister. Wenn er nun in der größten zusammenhängenden Apfelplantage Bayerns auf dem Rossberg steht und über den sonnenbeglänzten Spessart blickt, spricht er über die Liebe zur Natur und zum Beruf: „Ich habe einen Superarbeitsplatz.“
Und einen mit langer Tradition, nicht nur der Familiendynastie wegen. Ludwig kann eine Rechnung von 1976 vorlegen, die der Kastanienhof damals einem großen Abnehmer stellte: tegut… nämlich. Ludwig: „Daraus hat sich eine breit angelegte, lange anhaltende Geschäftsbeziehung entwickelt.“

Beerensträucher
An zwei Meter hohen Sträuchern reifen die vitamin- und mineralienreichen Beeren. | Foto: Andreas Reeg

Mit Erdbeeren der Sorte Red Gauntlet fing es an, bis heute sind sie im tegut… Sortiment geblieben. Kirschen kamen dazu, zuletzt Äpfel, auf dem Kastanienhof in zwölf unterschiedlich temperierten Kühlhallen schonend gelagert. Und Beeren – seit Neuestem die tegut… Eigenmarke mit tegut… Herkunftscheck.

Der Traumjob kann schnell dahin sein …

Wenn es nicht zu nass und nicht zu kalt war, schwärmen die Pflückerinnen und Pflücker schon Ende Mai aus, um die ersten Himbeeren zu ernten. Auf über zwei Hektar Fläche strecken sich die Buschreihen mehr als mannshoch, von denen zum Beispiel Bualiwan Hallstein und Nattahaporn Lostetter, deutsch-thailändische Erntehelferinnen aus der Kohorte der bis zu 40 Saisonarbeiter, die saftig-süßen Beeren absammeln – und zwar sehr behutsam. Denn die vitamin- und mineralienreichen Früchtchen sind Sensibelchen.

Feine Insektennetze schützen das Obst

Insektennetze
Besonders engmaschige Netze schützen die Früchte gegen Wespen und die Kirschessigfliege | Foto: Andreas Reeg

Sie dürfen nicht gedrückt werden, müssen auf den leichten, sandigen Böden mit gereinigtem Mainwasser betröpfelt werden, dürfen wegen Schimmelgefahr aber nicht zu feucht werden und brauchen sowieso besonderen Schutz, Regenhauben gegen die Witterung etwa. Ludwig: „Seitdem geht’s. Die Leute können immer pflücken, und ich kann immer tagesfrisch liefern.“ Und da „wir den Einsatz von Chemie auf ein Minimum begrenzen“, muss Ludwig feinst gewirkte Netze aufspannen – gegen Wespen und besonders die Kirschessigfliege. Das Insekt liebt alles Rote, raspelt mit seinen Zähnchen erst die zarte Fruchthaut auf und legt dann seine Eier dort ab. Verheerendes Ergebnis: Beeren mit Totalschaden.

Auch die Brombeeren wachsen, auf über 1,6 Hektar Fläche, unter Netz und Folie. Die Züchtung ist dornenlos. Die Beeren, darunter die Zuckerbrombeere Asterina, müssen groß und prall werden, denn „die dicken Brombeeren schmecken besser, die kleinen sind viel säuerlicher“, erläutert Ludwig.

Deshalb brauchen sie, wie auch die Himbeeren, gleichmäßige und gute Bewässerung. Der immer kostbarer werdende Grundstoff ist am Untermain reichlich vorhanden. Zwar werden sich Wüstensommer wie 2018 häufen, als ungepflückte Erdbeeren „von der Hitze zu Matsch gekocht wurden“. Doch die Dürre macht Ludwig keine große Angst mehr. Er hat auf seinen Flächen, wo nötig, ausgeklügelte Bewässerungssysteme installiert, die sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag automatisch für Feuchtigkeit sorgen. Ludwig: „Das ist sehr beruhigend.“

Familienbetrieb
Familienbetrieb: Die Tagesernte wird gewogen, sortiert und für den Transport aufbereitet. | Foto: Andreas Reeg

Natürlich weiß er, dass „man nicht gegen die Natur arbeiten kann“. Und „der Traumjob kann schnell dahin sein“, wenn Sebastian Ludwig, kurz bevor die Früchte seiner Arbeit reif sind, nachtschwarze Wolken aufziehen sieht. Ludwig: „Da schafft man das ganze Jahr, und wenn es dann hagelt, ist alles hinüber, das ist hart.“ Und „manchmal bekommt man schon einen Hass“: Nämlich „wenn dann die Süßkirschen aufplatzen, da kriegen sie so ein Gesicht, als würden sie einen auslachen“.

Das wird Hannes alles noch lernen, wenn er es denn mag. Der Sohn von Sebastian Ludwig und seiner Partnerin Janine wird im Sommer ein Jahr alt – die fünfte Generation Ludwig auf dem Kastanienhof.

Regionale Frische bei tegut…

Jetzt im Sommer bieten wir Ihnen vom Kastanienhof der Familie Ludwig aromatisch-frische Beeren und knackig-süße Kirschen. Auf der Packungsrückseite der Him-/Brombeeren ist übrigens der tegut… Herkunftscheck zu finden. Einfach den Code unter tegut.com/herkunftscheck eingeben und noch mehr über unsere Eigenmarkenlieferanten erfahren!

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