9. November 2018 Category Icon

Interview mit einem Granatapfel

Ein Gespräch mit einem Granatapfel, der vielleicht ältesten Heilfrucht über das Paradies, hartnäckige Flecken und Weihnachtspäckchen.

Granatapfel
Foto: Fotolia

Marktplatz: Es freut mich, heute mit einer historisch, religiös und wissenschaftlich so relevanten Persönlichkeit sprechen zu dürfen: mit Ihnen, der Frucht der Götter und dem Reichsapfel der Könige.
Granatapfel: Das ist aber eine überaus charmante Einleitung, danke.

Marktplatz: Jetzt mal ehrlich: Hingen am Baum der Erkenntnis nun klassische Äpfel oder Granatäpfel? Sie müssten es doch wissen.
Granatapfel: Hach, das ist Tausende Jahre her, da kann sich nun wirklich niemand dran erinnern. Außerdem wurde bis ins Mittelalter praktisch jede runde Frucht als Apfel bezeichnet. Ich bin jedenfalls keiner, dass das mal klar ist, sondern eine Beere der Weiderichgewächse. Aber vielleicht gab es diese Paradiesszene ja sowieso nicht?

Marktplatz: Mhmm. Und waren wirklich alle nackt im Paradies?
Granatapfel: Ich dachte, das wäre ein seriöses Interview! Lassen Sie uns bitte über Wissenschaftliches reden. Etwa über die 300 Studien, die in den letzten Jahren über mich gemacht wurden.

Marktplatz Mit welchem Ergebnis?
Granatapfel: Die finden mich toll! Vitamine, Mineralien, Antioxidantien, das kommt gut an. Viele weisen auf die positive Wirkung für Herz, Kreislauf und Arthritis hin oder sagen, ich förderte die Durchblutung und hielte die Gefäße elastisch. Aber leider sind manche Studien wegen geringer Fallzahlen nicht sehr belastbar. Überall nur Amateure.

Marktplatz: Das habe ich überhört. Wie bekommt man eigentlich die Flecken von Ihrem Saft wieder raus?
Granatapfel: Eher gar nicht. Nicht umsonst benutzte man mich früher als Färbemittel. Am besten mit Schürze arbeiten oder unter Wasser in einer Schale einfach auf­brechen und mit dem Finger die Samen herauspulen. Die Samen sinken zu Boden, der Rest schwimmt oben.

Marktplatz: Danke für den Tipp. Sie sind eigentlich im warmen Orient zu Hause. Wie gefällt es Ihnen hier?
Granatapfel: Stimmt, ist etwas kalt – aber ich mag Weihnachten. Ihr packt die Dinge so schön ein, genau wie ich. Meine Samen sind wie kleine Geschenke, die man vorsichtig auspacken sollte. Und dann mit Freude genießen darf. Allen eine schöne Weihnachtszeit!

Granatapfel-Salat mit Radicchio und Ziegenkäsetalern

Zutaten für ca. 4 Portionen

  1. 80 g Mix-Salat waschen, trocken schleudern. Radicchio waschen, 4 Außenblätter beiseitelegen, Rest in Streifen schneiden. 1 Granatapfel halbieren, Kerne herauslösen. Saft 1/2 Orange auspressen.
  2. Orangensaft, 2 El Weißweinessig, 4 El Olivenöl, 1 Tl Aprikosenkonfitüre, 1 El Honig, 1/4 Tl Senf verrühren, mit Salz würzen. 4 Ziegenkäsetaler in einer Pfanne erwärmen. Je 1 Radicchioblatt auf einen Teller legen, Salat und Ziegen­käsetaler darauf anrichten. Mit Dressing, Granatapfelkernen und 1 Tl grob zerstoßenen rosa Pfefferbeeren servieren.

Zubereitungszeit ca. 25 Min.

Von Dirk Henkelmann

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