1. November 2018 Category Icon

Weihnachten & Silvester

Happy End

Ende gut, alles gut. Und ist es nicht gut, ist es auch noch nicht das Ende! Wir haben da ein paar Ideen, wie die Weihnachtszeit und Silvester in diesem Jahr für Sie mit einem Lächeln verbunden sein werden.

Kinder mit Weihnachtsmannbart
Foto: Stocksy

Frohe Weihnachten

Die berühmteste Weihnachtsgeschichte der Welt beginnt mit einem alten Mann. Seine Taschen sind voller Gold, aber sein Herz ist aus Stein. Der kleine Neffe wünscht ihm „Frohe Weihnachten!“ Und der geizige Griesgram antwortet: „Pah! Dummes Zeug!“ Und da ahnt man schon: Für den Alten könnte das Jahresende noch ungemütlich werden.

Charles Dickens war ein ausgebuffter Schriftsteller. Er wusste genau: Man muss nur jemanden zeigen, der Weihnachten doof findet – schon hat man die Leser gefangen. „Wie bitte? Der mag Weihnachten nicht? Unmöglich! Wie das wohl weitergeht?“ Die erste Lehre aus „A Christmas Carol“ lautet: Weihnachten ist toll. Und die Tage bis zum Jahresende sind es auch.

Das Happy End des Jahres

Kind am Weihnachtsbaum
Endlich Zeit für sich und die Familie: Das Jahresende ist wie ein Wellness-Trip für Körper und Seele. | Foto: Stocksy

Der Grund: Unsere Vorfahren mussten damit klarkommen, dass es in dieser Jahreszeit fast nicht mehr hell wird. Dass der Bodenfrost tiefer reicht als ein Spatenblatt. Dass es auf dem Feld nichts mehr zu tun gibt. Also blieb man im Haus und machte lauter Sachen, die einem guttaten. Nachdenken, fürs nächste Jahr planen, reden, singen, essen, einander etwas schenken. Die letzten Tage des Jahres sind also nichts als ein großer Wellness-Trip für Körper und Seele, verordnet von der Tradition persönlich. Und wenn einer fragt, was man tun muss, damit Weihnachten gelingt, dann lautet die Antwort: Mach einfach das, was die anderen auch machen. Weihnachten ist ein No-Brainer. Nicht lange nachdenken – es wird automatisch super.

Das heißt – im Prinzip. Denn wie wir alle wissen, geht’s manchmal halt doch schief. Woran hat’s gelegen? Eigentlich nur an vier Dingen: entweder am Essen (die Gans missrät, siehe Kasten Seite 10), an der Familie (es gibt Streit, siehe Kasten Seite 12), am Denken (falsche Erwartungen) oder an den Geschenken (sie gefallen nicht).

Schenken macht glücklich(er)

Geschenke sind eine Frage der Psychologie. Dass Schenken glücklicher macht als das Beschenktwerden, wissen wir schon. Zwei US-Psychologinnen haben jetzt auch eine neue Form des Geschenkfindens entwickelt. Normalerweise läuft es nämlich so: Wir denken an jemanden. Er soll was von uns bekommen. Was wird er wohl mögen? Und dann grübeln wir, und es kommt nichts dabei heraus. Die neue Formel ist dagegen so simpel, dass man sich fragt, warum man nicht längst darauf gekommen ist: Sie stoßen auf etwas, das Sie gern für sich selbst hätten. Und fragen sich dann: Wer würde sich wohl genauso darüber freuen? Bestimmt fallen Ihnen dabei gleich zwei oder drei Freunde ein. Sie zücken die Kreditkarte und kaufen den Gegenstand dreimal, fertig.

Einfach ist besser als teuer

Manchmal wissen Sie vielleicht schon, was Sie schenken könnten. Sagen wir: einen Theatergutschein. Sagen wir, es gibt zwei Möglichkeiten: die etwas günstigeren Karten fürs örtliche Stadttheater – oder die sündhaft teuren Tickets für die Weltklasse-Bühne in der 200 Kilometer entfernten Großstadt. Psychologen wissen: Die meisten Schenkenden kaufen die teuren Karten, denn sie wollen dem anderen damit zeigen, wie lieb sie ihn haben. Die meisten Beschenkten freuen sich allerdings viel mehr über die günstigeren Karten, weil’s weniger Aufwand macht, sein Geschenk einzulösen. Die Faustregel lautet also: Einfach ist besser als teuer. Sogar viel besser. Und der Preis spielt für die Freude, die wir machen, ohnehin kaum eine Rolle.

Die eigenen Erwartungen austricksen

Tannenbaumkekse
Foto: Stocksy

Aber was können wir tun, wenn wir Weihnachten und Silvester trotzdem unbedingt ruinieren möchten? Ganz einfach: Wir schrauben unsere Erwartungen so weit nach oben, wie wir nur können. „Alles soll absolut perfekt und harmonisch ablaufen“ dürfte genügen. Folglich lautet die Empfehlung des Psychologen und Fachautors Heiko Ernst für ein gelungenes Silvesterfest: „Tun Sie am besten so, als würden Sie einen gemütlichen Abend mit Freunden planen.“ Die optimale Anzahl der Teilnehmer? Zwischen fünf und zehn Personen. Die Gründe dafür sind pure Mathematik: Treffen Sie sich zu viert, gibt es 15 Kombinationen, in denen die Gäste miteinander reden können. Sie gehen nach Hause und denken: „Ja, das war nett. Aber auch ein bisschen langweilig.“ Zehn Personen dagegen können auf unglaubliche 115 975 Arten kommunizieren. „Sie erleben garantiert einen Abend voller bunter, abwechslungsreicher Gespräche“, so Heiko Ernst.

Die Kraft der Erinnerungen

Dieses gute Gefühl wirkt weit über den Silvesterabend hinaus. Das zeigt die Forschung von Daniel Kahneman, dem einzigen Psychologen, der je einen Nobelpreis bekam. Kahneman fand heraus: Wie wir etwas in Erinnerung behalten, hängt von zwei Faktoren ab. Vom emotional stärksten Moment, den wir dabei erlebt haben – und von unserem Gefühlszustand, mit dem alles zu Ende ging. Mit anderen Worten: Wir stoßen Schlag Mitternacht mit Sekt an, gehen später mit einem wohligen Gefühl zu Bett – und werden das Jahr vermutlich als ein schönes im Gedächtnis abspeichern. Es läuft wie bei Kinofilmen: Wenn’s ein Happy End gibt, dann war alles gut.

Genau wie bei Charles Dickens und „A Christmas Carol“. Dort entdeckt der geizige Scrooge nach einer langen Nacht voller Erfahrungen und Lehren seine Liebe zu den Menschen. Er verteilt Geschenke, Wohltaten und Freundlichkeiten. Und zum ersten Mal seit vielen Jahren hört er sich selbst von Herzen lachen. Das Happy End des Jahres, es kann so einfach sein.

Eins für jeden

Die Top-Strategie gegen den Geschenke-Overload: Man organisiert (etwa unter Geschwistern) einfach einen Julklapp. Jeder schickt einen Geschenkwunsch an einen neutralen Schiedsrichter (zum Beispiel die Mutter). Dieser lost aus, wer wen beschenkt. Statt vieler Geschenke muss jeder nur eine Sache besorgen – und am Ende sind alle glücklich. Und wenn sich jemand nichts gewünscht hat? Schenkt man ihm eben eine Dose voller Nichts.

Sich glücklich essen

Gänsebraten
Foto: Stocksy

Das Hormon Serotonin ist gut für vieles – unter anderem hebt es unsere Stimmung. Um es zu bilden, braucht der Körper ein Eiweiß namens Tryptophan, das wir über die Nahrung zu uns nehmen. Es steckt u. a. in Sojabohnen, Kürbiskernen, Cashewnüssen, Käse (z. B. Emmentaler, Mozzarella), Schweinefleisch und Fisch (z. B. Makrele). Damit es wirken kann, sollten wir vor dem Essen aber ein paarmal tief durchatmen: Studien zeigen nämlich, dass Stress die Wandlung von Tryptophan in Serotonin behindert.

Ende gut, alles gut: Cornelia Polettos Gänse-Tipp

Cornelia Poletto
Cornelia Poletto führt in Hamburg ein Restaurant mit Feinkostladen; cornelia-poletto.de | Foto: PR

„Ich nehme eine frische Vier-Kilogramm-Gans. Damit sich das Fett unter der Haut besser löst, lasse ich die gefüllte Gans für etwa 90 Min. in Brühe ziehen (Fettfangschale, Backofen: 80 Grad – Ober- und Unterhitze). Danach kommt sie für 90–120 Min. auf den Rost, bei 160 Grad Ober- und Unterhitze (darunter ein Blech mit Brühe, um das Fett aufzufangen). Dann bei 240 Grad Umluft noch 10 Min. knusprig werden lassen und dünn mit Apfelgelee lackieren.“

Happy End zum Lesen

Buchgeschenke unterm Baum
Foto: Andrew Neel/Unsplash
  1. Weil man nie weiß, welche Träume noch wahr werden: Anne Østby, „Zartbitter ist das Glück“
  2. Weil es das Licht am Ende des Tunnels gibt: Matt Haig, „Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“
  3. Weil zwei gegen alle Widrigkeiten füreinander bestimmt sein können: Gabriel García Márquez, „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“
  4. Weil wirklich lustige Bücher manchmal einen Titel haben, den man nicht glauben sollte: Philip Ardagh, „Schlimmes Ende“, audio, gelesen von Harry Rowohlt
  5. Weil da alle Menschen gleich sind, die Orte aber gar nicht: Nina Sedano, „Happy End: Die stillen Örtchen dieser Welt“
  6. Weil manche Abenteuer erst beginnen, wenn alles vorbei zu sein scheint: Jonas Jonasson, „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“
  7. Weil großer Mut selbst kleine Leute durch alle Gefahren trägt: Robert Louis Stevenson, „Die Schatzinsel“

Wundervolle Liebesfilme – mal ohne Happy End

  1. „Love Story“ (1970) – ewig junger Schmachtfetzen
  2. „William Shakespeare’s Romeo & Julia“ (1996) – DiCaprio spricht in Versen, wir sind gerührt
  3. „Once“ (2006) – warmherzig, liebenswert und mit tollem Soundtrack
  4. „(500) Days of Summer“ (2009) – leicht, stilvoll und echt
  5. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (2014) – nur mit voller Tücherbox abspielen …

Ende gut, alles gut: Was tun bei Streit unterm Christbaum?

Türkranz
Für Stimmung ist gesorgt. | Foto: Jez Timms/Unsplash

Psychologe Heiko Ernst sagt: „Wenn die Stimmung eskaliert, liegt es fast nie an dem, was gesagt wird, sondern meist daran, wie wir darauf reagieren. Wenn Sie merken, dass Ihnen gleich der Kragen platzt, verlassen Sie kurz den Raum und stellen sich vor, die andere Person hätte gerade eine schlimme Nachricht bekommen: eine Kündigung, eine Diagnose beim Arzt, Liebeskummer. Das hilft meistens sehr schnell, kleine Spitzen nicht mehr persönlich zu nehmen.

Wie ein Jahresrückblick glücklich macht:

Ein Jahr hat 365 Tage. Manches war toll, manches war nicht so toll. „Am meisten Dankbarkeit empfindet man, wenn man sich fragt, welche drei Augenblicke des vergangenen Jahres besonders schön waren“, sagt Psychologe Heiko Ernst. „Noch stärker wird der positive Effekt, wenn man daraus ein kleines Silvesterspiel macht: Bitten Sie die anderen Gäste, ebenfalls ihre drei schönsten Momente zu erzählen.“ Geteilte Dankbarkeit ist tatsächlich: doppelte Dankbarkeit.

Von Jochen Metzger

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