16. August 2019 Category Icon

Die Firma Maintal Konfitüren stellt sich vor

Von Uly Foerster

Weshalb im fränkischen Haßfurt die Konfitüre in Quarantäne gesteckt wird. Und wie das stille Männlein im Walde zur Wirtschaftsmacht wurde.

Marmelade
Wir wissen, dass bei Firmenchefin Anne Feulner immer Hagebuttenkonfitüre auf dem Frühstückstisch steht. Lieblingssorte der Deutschen bleibt allerdings: Erdbeere. | Foto: Stocksy
 Klaus Hammelbacher und Anne Feulner
We are family: Gemeinsam mit ihrem Schwager Klaus Hammelbacher leitet Anne Feulner, Urenkelin des Firmengründers, das Familienunternehmen. | Foto: Simeon Johnke

Ständig sind sie behifft in Franken. Vom Hiffenmark, wie sie dort die Konfitüre aus Hagebutten nennen. Es füllt ihre Krapfen nicht nur zur Faschingszeit, versüßt Frühstücksbrötchen, Pausenbrote und allerlei Gebäck. „Das ist unser Nutella“, sagt Anne Feulner. Sie muss es wissen. Ihr Urgroßvater Josef Müller führte schon 1887, ein Jahr nach der Gründung eines „Großhandels für Vegetabilien und Landesprodukte“, zwei Eimer Hiffenmark in seiner Inventurliste. Seither ist die sämig-samtige Creme Kernsubstanz des Unternehmens Maintal Konfitüren GmbH im fränkischen Haßfurt, das die Betriebswirtin Anne Feulner zusammen mit ihrem Schwager Klaus Hammelbacher, einem Diplom-Biologen, seit 20 Jahren führt, in vierter Generation also.

Die Hagebuttenkonfitüre ist ihr gesunder Bestseller. Die Strauchfrucht der Heckenrose (Rosa canina) steckt voller Vitamine und dem Wundermittel Lycopin, das Krebsrisiken senken und die Immunabwehr stärken kann, sagt Hammelbacher. Was der Dichter Hoffmann von Fallersleben einst im Kinderlied als das stille Männlein im Walde mit dem purpurroten Mäntelein besang, hier wuchs es zu einer Wirtschaftsmacht heran: Maintal führt mit 60 Prozent Anteil den deutschen Hagebuttenkonfitüren-Markt an.

650 Sorten umfasst das Sortiment von Maintal Konfitüren

Konfitüre Herstellung
Yummie! Wir versüßen euch später den Start in den Tag … | Foto: Simeon Johnke

Ein fruchtiger und, ja, hiffig-harziger Duft empfängt jeden, der das Hauptgebäude des 7000 Quadratmeter großen Werks betritt. Die Schwaden entströmen der Versuchsküche mit Labor, die gleich links am Ende des Flurs liegt. In Töpfchen und Tiegeln köcheln die Spezialisten immer neue Varianten der 300 Grundrezepturen für Kon­fitüren, Marmeladen oder Fruchtaufstriche.

Hier paarte sich zum ersten Mal etwa die Hagebutte mit der Banane, die Wildpreiselbeere mit Apfel und Vanille. Hammelbacher lakonisch: „Wir entwickeln laufend neue Produkte“ – 650 umfasst das Sortiment derzeit. Ein erklecklicher Teil davon steht, als Eigenmarke mit dem tegut… Reinheitsversprechen, in den Regalen der mehr als 270 tegut… Filialen. Anne Feulner: „Seit vielen Jahren haben wir eine gute und sehr offene Partnerschaft. tegut… war dann 2004 bei uns der erste Auftrag für eine große Eigenmarke.“

Tradition plus modernste Technik

Dass es „mit tegut… sehr gut passt“, so Hammelbacher, ist kein Zufall. Schonung der Ressourcen, Umweltschutz, strenge Sicherheitskontrollen, höchste Qualitätsstandards, nachhaltiges Wirtschaften ökonomisch, ökologisch und sozial – solche Grundsätze klingen, als wären sie aus der tegut… Welt gewachsen.

Biologe Hammelbacher sorgt für zusätzliches Engagement. Das Unternehmen fährt mit Öko­strom, und „wir machen noch viele andere Dinge, zum Beispiel für den Artenschutz“: Dazu gehören Nistkästen für Turmfalken und Steinkäuze, Fledermaushäuschen und Insektenhotels. Anne Feulner und Klaus Hammelbacher achten darauf, dass die Grundprinzipien des Unternehmens gewahrt werden, trotz der großen Mengen, die Maintal in 29 Länder exportiert, von USA bis Japan, von Finnland bis Südafrika. Hammelbacher: „Bei uns ergänzen sich Tradition und modernste Technologie.“

Etiketten-Kontrolle
Kurzer Check. Verschluss, Etikett – passt alles. Bis zu 120.000 Gläser mit fruchtig-süßen Köstlichkeiten werden hier pro Tag hergestellt | Foto: Simeon Johnke

Vieles lässt sich hier nur noch vollautomatisch bewältigen. Das klirrende Marmeladenkarussell, auf dem die Gläser zum Abfüllen, Etikettieren, Verschließen, Abkühlen und Verpacken durch mehrere Säle flitzen, wirft 180 fertige Einzelprodukte aus – jede Minute. Bis zu 120.000 Gläser sind es am Tag, rund 12 Millionen süße Köstlichkeiten jedes Jahr, gewonnen aus etwa 2000 Tonnen Früchten. Einer der modernsten Röntgendetektoren erkennt, mit drei kleinstdosierten Blitzen aus unterschiedlichen Winkeln, Glas für Glas etwaige Fremdkörper, ein anderer Roboter vermisst elektronisch, ob etwas nicht richtig verschlossen ist.

Code of Conduct für Lieferanten

Für Handwerkskunst und Tradition sorgen in dem komplexen Maschinenpark die Abfüller und Kocher. Sie setzen im Vorkochbereich die Grundmasse an, die dann in riesigen Kochkesseln im Vakuum bei 60 Grad eingedickt wird. Sie sorgen für präzise Mixtur und Temperierung. Die Rohstoffe, teils frisch tiefgefroren, teils in Säcken oder Dosen, kommen aus über 20 Ländern: Cranberries und Preiselbeeren etwa aus Skandinavien;

Bestimmung des Zuckergehalts
Präzise Handwerkskunst im komplexen Maschinenpark: Vorkocher setzen die Grundmasse an und bestimmen mit dem Refraktometer den Zuckergehalt | Foto: Simeon Johnke

Bio-Rohrzucker aus Brasilien; Hagebutten aus Osteuropa, dort sind Rumänen und Bulgaren die fleißigsten Sammler der wild wachsenden Frucht. Alle Lieferanten müssen sich an einen Code of Conduct halten. Anne Feulner: „Wir veredeln Früchte mit Leidenschaft, von der Ernte bis zum fertigen Glas.“ Zwar ist Konfitüre, so Hammelbacher, „ein sauberes und einfaches Produkt“ aus wenigen Zutaten: aus Früchten, Zucker, Zitronensäure und dem Geliermittel Pektin, das aus Apfelschalen gewonnen wird. Doch es ist wie bei jedem Handwerk: Die Frucht sei „die Basis der Qualität, das ist wie beim Winzer“.

Zum Schluss werden Konfitüren, Marmeladen und Frucht­aufstriche noch 24 Stunden lang „in Quarantäne“ (Hammelbacher) gesteckt. Die Produktions- oder Schichtleiter verkosten jede Charge, ob alles richtig geliert und gesüßt ist, gelegentlich nehmen dann auch Anne Feulner und Klaus Hammelbacher noch ein Löffelchen. So ist es in einem Familienbetrieb eben, der den Wert des sozialen Miteinanders pflegt.

Und nicht nur für Qualität und Nachhaltigkeit zertifiziert und ausgezeichnet wurde, sondern auch als besonders familienfreundliches Unternehmen. Anne Feulner: „Wir bieten eine Fülle von Maßnahmen und legen jedes Jahr noch eine Schippe drauf.“ Die 90 Mitarbeiter können zu Sonderkonditionen sogar ein E-Bike leasen. Davon wird die Konfitüre nicht besser, aber die Umwelt: „Wir denken nicht in Quartalen, sondern in Generationen.“

So soll es auch bleiben. Anne Feulners Sohn macht gerade in Würzburg seinen Bachelor als Betriebswirt, er wäre dann die fünfte Generation in der Manufaktur. Denn mit dem Hiffenmark ist er ja groß geworden.


Marmelade, Konfitüre, Fruchtaufstrich, Gelee?

Konfitüre wird aus mindestens 55 Prozent Früchten, Zucker und Pektin hergestellt. Marmelade besteht laut EU-Definition nur aus Zitrusfrüchten. Gelee wird aus Fruchtsaft zubereitet, Zucker und Pektin kommen hinzu. Fruchtaufstrich hat in der Regel einen hohen Fruchtanteil (60–70 Prozent) und enthält weniger Zucker.


Maintal bei tegut…

Maintal Konfitüren stellt für unsere Marke mit dem tegut… Reinheitsversprechen Orangenmarmelade, Pflaumenmus, Wildpreiselbeeren, Konfitüren und Gelees – insgesamt 14 Sorten – her. Von Himbeere über Quitte bis Hagebutte. Außerdem noch vier Fruchtaufstriche für unsere Marke tegut…vom Feinsten.

Hier finden Sie alle tegut… Lieferanten.