15. Oktober 2019 Category Icon

Gemeinsamkeit & Dankbarkeit zu Weihnachten

Komm, wir feiern!

Darauf freuen wir uns jetzt: gemeinsam kochen, gute Gespräche am reich gedeckten Tisch, Bratapfelduft, Kekse backen mit den Kindern. Wir zaubern Weihnachtsdeko, Adventskalender – und sind dem Leben dankbar.

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Foto: Cameron Whitman/Stocksy

Eigentlich mag ich gar keinen Sekt, trotzdem freue ich mich seit Stunden auf diesen Schluck. Mama zieht noch schnell die Schürze aus, Papa schenkt ein, meine Schwester, die eben noch genervt war, legt ihren Kopf auf meine Schulter. Das Klirren der Gläser ist der Übergang vom hektischen Gewusel zum Genießen. Alle Schüsseln und Schalen sind auf dem Tisch arrangiert, der Brokkoli dampft und es ist einen Schluck lang Stille. Und dann sagt Opa: „Von dem Stöffchen könnte ich einen Anzug vertragen“, und alle müssen lachen. Opa hat immer die besten Trinksprüche.

„Von dem Stöffchen könnte ich einen Anzug vertragen“, – Opa hat immer die besten Trinksprüche.

Ich habe die schönsten Erinnerungen an Familienessen und sobald die Tage kürzer werden und der Wind kälter, freue ich mich auf all die gemütlichen Runden mit Freunden, Kollegen oder der Familie in den Wochen vor Weihnachten. Aber ich schrecke immer noch davor zurück, selbst eine zu organisieren. Denn ich denke auch an den Stress: Getränke schleppen, ausrechnen, wie viel Fleisch brauche ich für wie viele Gäste? Und wo sind überhaupt die Rotweingläser von Oma Gerda? Dann ärgere ich mich, dass ich mich davon abhalten lasse. Denn es gibt kaum etwas, das einen so sehr mit den Menschen um einen herum verbindet wie ein gemeinsames Essen.

Wie sehr, das erkannte man bereits im 11. Jahrhundert, als man begann, Verträge mit einem gemeinsamen Essen zu beschließen. Wurde ein neuer König gekrönt, lud er die Herzöge zum Festmahl und es erschien nur der, der auch beabsich­tigte, diesem König gegenüber loyal zu sein. In seinen Rinderbraten zu beißen, war verbindlicher als Feder und Tinte.

Reden ist Gold!

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Gemeinsam zu essen, tut gut. Und besser schmecken tut es auch. | Foto: Jen Grantham/Stocksy

„Die gemeinsame Mahlzeit ist die Urform des Beisammen­seins“, sagt Eva Barlösius, Professorin am Institut für Sozio­logie an der Universität Hannover. Denn Essen ist privat, es ist persönlich. Und etwas so Persönliches zu teilen, macht uns zudem entspannter. Das war eine der wichtigsten Erkenntnisse einer Studie der Humboldt-Universität zu Berlin. Außer der Entspannung entdeckten sie noch etwas anderes: Die Aufmerksamkeit für die Emotionen anderer stieg. Wir sind empathischer und verstehen uns gegenseitig besser.

Das klingt toll. Aber wie vermeide ich den Stress und die Hektik? Der Psychologe Fritz Propach sagt: „Es sind oft die vermuteten Erwartungen anderer, die den Stress auslösen.“ Wir sollten also mit den Gästen sprechen, wie sie sich den Abend vorstellen, „oft denkt man, dass die Erwartungen der Gäste hoch sind und liegt damit meistens falsch“, sagt ­Propach.

Gemeinsam kochen & essen tut gut

Dann sollte man die Aufgaben verteilen, jeder bringt etwas mit und man kocht gemeinsam. Denn wenn eines mehr verbindet, als gemeinsam zu essen, dann, ­vorher gemeinsam zu kochen.

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Die Natur schenkt uns die schönste Deko | Foto: Jen Grantham/Stocksy

Es ist das beste Mittel für den Seelenfrieden in der Familie, in der WG – oder in der Beziehung. Soziologen haben herausgefunden, dass Paare, die miteinander kochen, nicht nur mehr Sex haben, sie sind überhaupt glücklicher mit der Beziehung. Denn zusammen zu kochen bringt uns dazu, miteinander zu sprechen. Einer schneidet den Lauch, einer rührt die Sauce, das schafft eine Atmosphäre, in der man sich öffnet. Vielleicht haben solche Erkennt­nisse dazu beigetragen, dass sich gerade immer mehr Menschen auf die Bedeutung von gemeinsamem Kochen und Essen besinnen. In Büros wird mittags plötzlich gekocht, statt zu Partys laden Freunde zum Dinner.

Iss mit uns

Was früher als spießig galt, ist jetzt angesagt. Auf Websites wie issmituns.de oder in sogenannten Supper Clubs verabreden sich selbst Fremde zum gemeinsamen ­Essen und Zukunftsforscher ­glauben, in Großstädten treffen wir uns bald in gut ausge­statteten Nachbarschaftsküchen. Das sind schöne Aussichten, denke ich, und dagegen ist ein kleines Essen mit Freunden doch ein Klacks. Und dann lade ich sie wirklich ein, und jeder bringt etwas mit. Die Rot­weingläser von Oma Gerda habe ich nicht gefunden, jetzt trinken wir fast alle aus unterschiedlich geformten Gläsern. Aber das ist völlig egal. Die Kerzen brennen ruhig und draußen pfeift der Wind. Wir genießen einfach, hier zu sein. Denn eine gemeinsame Mahlzeit sättigt nicht nur körperlich, sondern auch seelisch, und vielleicht ist das noch wichtiger.

Schnelle Deko mit Tannenzapfen – Jetzt wird’s festlich:

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Mit Tannenzweigen und -zapfen basteln wir Deko | Foto: Milles Studio/Stocksy

Material:

  • Tannenzweige und -zapfen
  • Goldspray
  • Draht
  • ­Geschenkband
  • Holzanhänger

Weihnachten naht – und damit die Lust, das ­Zuhause liebevoll zu schmücken. Mit Material aus der Natur geht das ganz einfach – und komplett unkitschig. Bringen Sie sich vom Wald­spaziergang einen Beutel Tannenzapfen mit und besprühen Sie sie mit Goldspray – sieht toll aus! Frische Tannenzweige (bitte vom Blumenhändler, im Wald abrupfen ist nicht erlaubt …) lassen sich mit feinem grünem Draht leicht zu einem losen Kranz binden, die Spitzen dürfen gern herausgucken. Dann noch eine Girlande aus Geschenkband und bemalten Holzscheibchen (­Bastelladen), und die Deko ist perfekt.

Eiswindlichter DIY:

Eiswindlicht-do-it-yourself
Extrem cool: Winterdeko für draußen | Foto: iStock

Sie machen sich toll auf dem Balkon oder vor dem Fenster: Eiswindlichter. Vielleicht haben wir ja einen schönen knackigen Winter, dann hält die Outdoor-Deko sogar eine Weile!

Material:

  •  Plastikeimerchen
  •  großer Joghurtbecher
  •  destilliertes Wasser (macht das Eis klarer)
  •  Zweige, Nüsse, Blüten und Ähnliches
  •  Steine zum Beschweren
  • Teelichter
  1. Wählen Sie die beiden Gefäße so, dass, wenn man sie ineinander stellt, zwischen den Wänden und darüber genügend Platz ist.
  2. Für den Boden befüllen Sie den Eimer ca. 5 cm hoch mit destilliertem Wasser und lassen alles draußen gut durchfrieren.
  3. Stellen Sie dann den großen Joghurtbecher in den Eimer und beschweren den Boden des Bechers mit Steinen. Den Eimer mit Wasser bis knapp zur Unterkante des Bechers auffüllen.
  4. Geben Sie nun dekorative Naturmaterialien wie Blüten, Tannen- oder Mistelzweige, Nüsse, Blätter oder Ähnliches in das Wasser. Erneut durchfrieren lassen.
  5. Die Steine aus dem Joghurtbecher entfernen und den Becher vorsichtig herauslösen. Sitzt er zu fest, geben Sie einfach kurz etwas warmes Wasser hinein. Kerze oder Teelicht hineinstellen, anzünden – fertig!

Bratäpfel, die allen schmecken

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Mmh, wie das duftet! | Foto: Noemi Hauser/Stocksy

Man weiß ja, wie das ist: Karla mag keine Rosinen, Tom kein Marzipan, Suse ihren Apfel lieber ohne Alkohol – aber Mandeln finden alle lecker. Der Bratapfel-Baukasten sorgt für gute Stimmung und fröhliche Geselligkeit: Jeder füllt einen Apfel mit seinen Lieblingszutaten, und gemeinsam wartet man bei einer Tasse Schokolade, bis der süße Duft der fertigen Äpfel durch die Wohnung zieht.

Zutaten für ca. 12 Portionen

  • 12        kleine Äpfel (z. B. Boskoop)
  • 12 Tl    Honig
  • 6 El      Zitronensaft
  • 3 Tl      Zimt
  • 6 Tl     Butter

Baukasten-Zutaten: Marzipan, kandierter Ingwer, Rosinen, getrocknete Pflaumen oder Aprikosen, Hasel­nusskerne, Mandelstifte, Cranberrys, Bio-Zitronen- oder -Orangenschale, Amaretto.

AUSSERDEM: 1 große Auflaufform; 1 Apfelausstecher

Zubereitung

  1. Äpfel waschen, trocken tupfen und Kerngehäuse mit einem Apfelausstecher rund herausstechen oder Äpfel mit einem Teelöffel aushöhlen.
  2. Honig, Zitronensaft und Zimt verrühren. Jeweils 1 El davon mit den gewünschten Zutaten aus dem Baukasten vermengen und in den Apfel füllen.
  3. Äpfel in eine gefettete Form setzen, jeweils mit 1/2 Tl Butter belegen und im 180 Grad heißen Ofen 30–40 Min. backen. Schmeckt gut dazu: Karamell- oder Vanillesauce.

Zubereitungszeit ca. 10 Min.
Garzeit 30–40 Min.

Stressless-Menü

Wir wollen ja nicht immer stundenlang in der Küche stehen, wenn Freunde zum Essen kommen – vor ­allem nicht in der ohnehin hektischen Vorweihnachtszeit. Unsere Ideen können Sie clever vorbereiten und schnell auf den Tisch bringen.

Kürbiscremesuppe

Kürbissuppe
Foto: Darren Muir/Stocksy

  • Genuss löffelweise
  • Einen Tag vorher: Suppe kochen

Unsere Lieblingsvorspeise ist eine wärmende Kürbiscremesuppe. Erfreulicherweise ist sie ideal für entspannte Vorbereitung – sie schmeckt sogar noch besser, wenn sie über Nacht durchzieht. Ein bisschen Geduld braucht’s vor dem Auftischen: Sie sollte nicht mehr kochen, sondern langsam warm werden. Wäre ja ärgerlich, wenn am Ende noch etwas anbrennt.

 

 

2 Graved Lachs

Graved Lachs
Foto: iStock
  • Ins Netz gegangen
  • Zwei Tage vorher: Lachs beizen

Hausgebeizter Lachs macht Eindruck – und ist ganz einfach. Die Lachsfilets mit Haut werden mit einer Mischung aus Gewür­zen und Salz eingerieben, dann mit frischem Dill in einen Gefrierbeutel gelegt. So dürfen sie ganze zwei Tage im Kühlschrank durchziehen, danach sind sie verzehrbereit. Beliebt ist die klassische Beize mit Honig, Senf, Dill.

 

 

 

3 Schokotarte

Schokotarte
Foto: Mee Productions/Stocksy
  • Verführerisch
  • Drei Tage vorher: Kuchen Backen

Schokoladenkuchen als Dessert! Sündhaft gut! Noch besser: Er lässt sich entspannt schon drei Tage vorher backen. Da in der Feiertagssaison die Tiefkühlschubladen ja meist zum Bersten voll sind, gleich noch eine gute Nachricht: Stellen Sie den Schokokuchen einfach kühl und dunkel, er wird mit jedem Tag saftiger und aromatischer.

Von Maja Beckers, Ira König und Angela Oelckers