17. Juni 2021 Category Icon

Ayurvedische Küche

Kulinarische Erleuchtung

Nach der uralten Lehre des Ayurveda zu kochen, ist ein Schatz für die Gesundheit – nicht nur der Körper, sondern auch die Seele und der Geist profitieren.

Ayurvedische Gewürze
Foto: Stocksy

Ayurveda – die längste Ernährungs-Versuchsreihe

Die wohl längste Versuchsreihe in Sachen Ernährung stammt aus Indien: Seit rund 2500 Jahren wird dort die Heillehre Ayurveda praktiziert. Das Sanskrit-Wort bedeutet „Wissenschaft vom Leben“. Und wie das Leben selbst ist diese Wissenschaft ganzheitlich angelegt: Die Geisteshaltung gehört genauso dazu wie medizinische Anwendungen, Körperübungen (z. B. Yoga) und eben die Ernährung.

Laut Ayurveda ist Medizin ohne gesunde Ernährung nicht nützlich – und mit gesunder Ernährung nicht notwendig. Ziel ist es, die körperliche und seelische Balance zu fördern und damit die Gesundheit des Menschen. Inzwischen hat Ayurveda seinen Weg um die Welt genommen – was sicher auch daran liegt, dass die Lehre sehr flexibel ist und auch für uns Westler funktioniert.

Körperliche und charakterliche Bioprinzipien

So gibt es eben nicht die eine richtige Ernährungsweise, sondern nur eine individuell stimmige. Und sie hängt ab – wie vieles im Ayurveda – von den drei „Doshas“: Vata, Pitta und Kapha. Doshas bezeichnen körperlich und charakterlich unterschiedliche Bioprinzipien, von denen jedes spezielle Bedürfnisse hat, auch beim Essen. Die meisten Menschen sind allerdings Mischtypen. Wer eine Ayurvedakur beginnt, lässt als Erstes seinen Typus bestimmen, das ist ziemlich komplex und ayurvedische Ärzte nehmen sich dafür viel Zeit. Vereinfacht lassen sich die Doshas so beschreiben:

  • Vata steht für Luft und Äther, dieser Typ hat etwas Leichtes, Bewegliches. Unausgewogenheit führt zu Nervosität und unruhigem Schlaf.
  • Pitta steht für Feuer und Wasser, solche Menschen sind oft athletisch und leidenschaftlich. Pitta im Übermaß zeigt sich an Gereiztheit und Verdauungsstörungen.
  • Kapha steht für Erde und Wasser, so Geprägte haben etwas Schweres, Ausdauerndes. Zu viel davon erzeugt Trägheit und Übergewicht.

Kein Verzicht bei ayurvedischem Essen

Wer typgerecht isst, soll gesund und schlank bleiben und in Harmonie mit seinem Körper und Geist leben, heißt es – klingt das nicht wie Erleuchtung auf dem Teller? Drei Dinge machen ayurvedisches Essen für uns Europäer sehr reizvoll. Zum einen gibt es so gut wie keine Verbote. Zwar wird nur sehr wenig und achtsam Fleisch verzehrt, aber Ayurveda ist nicht zwingend vegetarisch und auch nicht vegan.

Ohne Kaffee in den Tag starten ist unmöglich? Geht in Ordnung, sogar mit Milch – und mit einer Prise Kardamom, der entsäuernd wirkt. Auch gegen Alkohol in Maßen ist nichts einzuwenden. Zum anderen lässt sich ayurvedisches Essen sehr gut mit hiesigen Zutaten kochen, die dazugehörigen Gewürze gibt es ja ohnehin inzwischen in fast jedem Markt.

Ayurvedische Gewürze

Überhaupt, die Gewürze: Für die Inder sind sie göttliche Nahrung, deren Kräfte die Verdauung anregen, die Darmflora regulieren und die Abwehrkräfte stärken. Die westliche Medizin hat inzwischen ja bestätigt, wie viele bioaktive Substanzen in Gewürzen und Kräutern stecken.


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Bei dem intensiven Gelb des Safrans zum Beispiel handelt es sich um ein Carotinoid, für das nachgewiesen ist, dass es das Immunsystem unterstützt. Daher gehört Safran zu den zehn Königsgewürzen des Ayurveda, die anderen sind: Nelken, Kurkuma, Ingwer, Kardamom, Koriander, Kreuzkümmel, Muskat, Pfeffer und Zimt. Und damit sind wir bei Pluspunkt drei: Ayurvedisches Essen duftet betörend und schmeckt einfach unglaublich lecker!

Ayurvedische Küche
Foto: Stocksy

Regeln in der ayurvedischen Küche

Auch wenn Ayurveda lehrt, auf den eigenen Körper zu hören – ein paar Regeln gibt es doch, die beachtet werden wollen. So werden, um die Verdauung zu erleichtern, fast alle Speisen gekocht. Rohkost kommt in der ayurvedischen Küche nur selten vor. Und schon gar nicht abends. Die wichtigste Mahlzeit ist ohnehin die am Mittag, am Abend gibt es nur noch wenig und Leichtes. Überhaupt gilt: Nur bei Hunger essen und nur so viel, bis er gerade eben gestillt ist. Kräutertees und abgekochtes, lauwarm getrunkenes Wasser, pur oder mit Ingwer, unterstützen den Körper.

Damit trotzdem alle Sinne zufrieden sind, versucht ein ayurvedischer Koch, bei jedem Mahl mehrere der sechs Geschmacksrichtungen harmonisch zu kombinieren: süß, sauer, salzig, scharf, bitter, herb. Besonders einnehmend aber ist das elfte Gewürz, ein unsichtbares, aber dem Ayurveda besonders wichtiges: Liebe. Wer mit Achtsamkeit und Hingabe kocht, bringt schon bei der Zubereitung seine Seele in Balance. Auch gegessen werden sollte mit Liebe, am besten gemeinsam mit anderen Menschen, in ruhiger, angenehmer Umgebung.

„Wenn du isst, dann iss“, heißt es im Buddhismus, nichts sollte uns ablenken. Und wenn das eigene Dosha nach der Mahlzeit nach einem Glas Rotwein verlangt: nur zu! Das über 2000 Jahre alte ayurvedische Lehrbuch „Charaka Samhita“ ermuntert sogar dazu, Wein mit Vernunft zu genießen: „Traubenwein wirkt anregend und beglückend, vertreibt Kummer, Müdigkeit und Furcht.“

Mehr erfahren & ausprobieren

  • Wie unkompliziert ayurvedisches Kochen mit regionalen Zutaten ist, zeigt der hessische Koch und Yogalehrer Volker Mehl (volkermehl.com) in seinen prämierten Büchern, z. B. in dem zusammen mit Dr. Dietrich Grönemeyer verfassten „Heilsam kochen mit Ayurveda“ (gu.de).
  • Eine gute Einführung in die ayurvedische Philosophie und über 100 Rezepte für alle Doshas bietet „Achtsame Ayurveda- Küche“ von Nicky Sitaram Sabnis (dorlingkindersley.de). Der Inder und Wahlbayer Sabnis ist einer der bekanntesten Ayurvedaköche in Deutschland, im idyllischen Kloster Abtei Frauenwörth am Chiemsee gibt er regelmäßig Wochenendkurse. Mehr unter frauenwoerth.de/gesundheit
  • Für Ayurvedakuren muss man nicht nach Indien fahren – viele Wellness Häuser in Deutschland bieten sie ebenfalls an, von günstig bis luxuriös. Eine Übersicht finden Sie z. B. unter fitreisen.de

Rezept: BAOBAB-DRINK „GOLDEN MILK“

Für ca. 2 Portionen – feinwürzig, cremig

  • 50 g Hanfsamen (geschält)
  • 2 Möhren (oder eine vergleichbare Menge Hokkaido-Kürbis)
  • 450 ml stilles Wasser
  • 2 Tl Baobab-Pulver
  • 1 Tl Kurkuma (gemahlen)
  • ½ Tl Kardamom (gemahlen)
  • 1 Msp. Zimt (gemahlen)
  • 1 Prise Salz
  • 1 Prise Pfeffer (aus der Mühle)
  • Außerdem: Stabmixer oder Pürierstab

Hanfsamen in etwas Wasser ca. 30 Min. einweichen, dann restliches Wasser abgießen. Möhren schälen, fein reiben. Zusammen mit Hanfsamen, stillem Wasser sowie Baobab-Pulver sehr fein pürieren und mit Kurkuma, Kardamom, Zimt, Prise Salz sowie Pfeffer abschmecken.

Zubereitungszeit: ca. 10 Min.
Eeinweichzeit: ca. 30 Min.

Von Angela Oelckers

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