17. Dezember 2020 Category Icon

Lebensmittel: Skurrile und überraschende Fakten

Pssst! Schon gewusst?

Eine Kartoffel ist eine Kartoffel ist eine Kartoffel? Von wegen! Wir verraten Ihnen hier ein paar skurrile und überraschende Fakten aus der Welt unserer Lebensmittel. Und reisen mit Ihnen durch deren turbulente Geschichte.

Warum ist die Banane krumm
Foto: Adobe Stock

Pssst! He, Sie? Ja, Sie! Haben Sie Lust auf eine kleine Reise? Wir laden Sie ein: Kommen Sie mit auf einen Gedankenflug durch die Zeit. Sie werden Verblüffendes entdecken und Vertrautes mit ganz neuen Augen sehen! Also los. Setzen Sie sich an Ihren Küchentisch und prägen Sie sich ein, was alles im Vorratsschrank und Gewürzregal steht. Und nun Augen schließen, festhalten – wir beamen Sie rasch rund 600 Jahre zurück in die Ver­gangenheit. Sie landen im Jahr 1450, im Spätmittelalter.

Lebensmittel im Spätmittelalter

Ein Schock! Tomaten, Paprika und Mais, Kartoffeln und Bananen, Pfeffer und Zucker, Kaffee und Tee, alles, was eben noch ganz selbstverständlich da war, ist verschwunden. Gibt’s nicht. Jedenfalls nicht im Gebiet des heutigen Deutschlands. Die meisten dieser Leckereien werden bei uns nämlich erst ankommen, nachdem im Jahr 1492 Christoph Kolumbus oder 1498 Vasco da Gama neue Gebiete der Welt für ihre Könige reklamieren und von da an Schiffe aus Nord- und Südamerika, aus Indien und Indonesien Pflanzen importieren. Okay, zugegeben, orientalische Gewürze und Südfrüchte gibt es schon vorher: Die Kreuzfahrer haben sie mitgebracht. Aber sie sind teurer als heute Kaviar, und falls Sie kein Landesfürst sind, stehen sie sicher nicht auf Ihrem Tisch.

Was also servieren wir Ihnen jetzt? Nicht viel. Ihr Speiseplan ist schmal und (was heute einige Spitzenköche wieder zelebrieren) „brutal regional“. Es gibt, was in der Nähe wächst und gerade reif ist. Suppeneintopf essen Sie richtig gern, in den Sie vor allem Kohl und Pastinaken schnippeln, ganz selten mal ein Huhn oder etwas Wildbret. Und immer wieder Bohnen. Warum die proteinreichen Hülsenfrüchte so gut wachsen in Ihrem mittelalterlichen Gemüsegarten, können Sie da noch nicht wissen: Bohnen reichern den Boden mit Stickstoff an und reduzieren den Bedarf an Dünger.

Morgens, mittags und abends löffeln Sie eine Art frühes Müsli: Getreidegrütze. Die Körner schroten Sie am Vortag, weichen Sie ein und garnieren mit Beeren oder Haselnüssen. Sie fragen nach Brot? Zu der Zeit müssen wir Normalos uns noch mit Schwarzbrot begnügen – denn Weißbrot ist ein Privileg der Wohlhabenden. Wenn Sie also eine Weißbrot-Stulle wollen, müssen Sie noch bis etwa 1650 warten. Dass das täglich Brot für alle aber schon zuvor wichtig war, verrät uns das populäre Wort Kum­pan. Es kommt aus dem Lateinischen: cum für zusammen und panis für Brot. Der, mit dem Sie Ihr Brot teilen, ist Ihr Kumpel!

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1550: Gewürze werden mit Gold aufgewogen

Sie haben genug vom Darben? Okay, reisen wir ein wenig weiter in die Zukunft, hundert Jahre vielleicht. Um 1550 segeln reichlich Schiffe über die sieben Meere und mit ihnen neue Lebensmittel. Portugiesen und Engländer, Spanier und Holländer schlagen sich wegen lukrativer Anbaugebiete und wichtiger Häfen die Köpfe ein. Denn Zimt, Safran, Gewürznelken, Muskat oder Vanille wiegen die Händler anfangs buchstäblich mit Gold auf, Pfeffer aus Indien hat „gepfefferte Preise“. Städte wie Venedig werden mit dem Gewürzhandel reich, und nicht von ungefähr nennen wir besonders wohlhabende Kaufleute noch heute „Pfeffersäcke“.

Um Gewürze wurden Kriege geführt

Auch der Zucker hat es in sich. Im Mittelalter nehmen Sie noch mit eingedicktem Traubensaft und Honig vorlieb. Doch mit dem Zuckerrohranbau in der Karibik wird das neue „weiße Gold“ in Europa begehrt. Die Nachfrage steigt, und weil auf den Plantagen Arbeitskräfte fehlen, beginnen die Kolonialmächte, Afrikaner als Sklaven nach Amerika zu verschleppen, über 12 Millionen werden es in den nächsten Jahrhunderten. Sie sehen: Was wir essen, formt unsere Welt. Bis es harmlosen Zucker aus europäischen Rüben gibt, müssen Sie noch bis 1747 warten!

Kolumbus bringt die erste Ananas mit

Aber lassen wir das, spulen wir lieber noch etwas vor und servieren Ihnen etwas Neues: eine Ananas. Die erste dieser Bromelien hat Kolumbus aus Guadeloupe mitgebracht. Sie ist der Gipfel des Exotischen und Statussymbol des Adels – der sie zunächst nicht etwa verspeist, sondern die ganze Pflanze als Dekoration auf die Tafel stellt. In unseren Breitengraden muss sie nämlich in geheizten Gewächshäusern drei Jahre bis zur Fruchtreife bespaßt werden – furchtbar aufwendig. Noch zu Goethes Zeiten kostet eine Ananas angeblich so viel wie ein Reitpferd.

1560: Spanier entdecken Kartoffen

Aaah, da ist ja noch etwas angekommen in Europa, auf das Sie sicher schon sehnlich warten: Kartoffeln! Um 1560 bringen Spanier sie aus Südamerika mit. Von Pommes frites ist aber noch nichts zu sehen, die Kartoffel hat sogar einen totalen Fehlstart: Außer den unterirdischen Sprossknollen ist ja alles an ihr giftig, das Kraut taugt nicht einmal als Viehfutter. Hexenpflanze, pfui! Leider müssen Sie also schon wieder warten auf vertraute Genüsse – mindestens bis 1746, zum ersten von mehreren „Kartoffelbefehlen“, mit denen Friedrich der Große in diesen Jahren seine Untertanen zwingt, die stärkereiche „Tartuffoli“ anzubauen, unter anderem, um damit sein preußisches Heer zu ernähren. Das hat dann funktioniert …

Ja, Sie haben recht: Alles ziemlich frustrierend damals. Wenig Leckeres auf dem Teller, schwer zu kriegen, absurd teuer. Wer hätte das gedacht, dass unsere liebsten Lebensmittel eine so seltsame Geschichte haben. Und dass wir es in der Gegenwart so dermaßen gut haben! Reisen wir also heim? Okay, Augen zu – swooosh: Sie sind wieder in Ihrer Küche! Alles ist wieder da: Tomaten, Paprika und Mais, Kartoffeln und Bananen, Pfeffer und Zucker, Kaffee und Tee. Genießen Sie!

Wasabi: Mehr Schein als Sein?

Die höllenscharfe grüne Creme neben dem Sushi ist fast niemals Wasabi. Das gönnen sich nur Japaner, es ist selten und sehr teuer.
Was uns den Atem verschlägt, ist stattdessen ein Mix aus Meerrettich, Senf, Stärke und grüner Lebensmittelfarbe. (Quelle: stern.de)

Wasabi mit Lebensmittelfarbe
Foto: Stocksy

Honig: Für immer fein?

Honig wird niemals schlecht, sofern er richtig gelagert wird. Grund: Er enthält kaum Wasser, außerdem töten Zucker und Enzyme Mikroorganismen ab, so das „Honey and Pollination Center“ an der Universität von Kalifornien. Tatsächlich haben Archäologen schon Honigtöpfe gefunden, deren dreitausendjähriger Inhalt noch unverdorben war – nur sein Aroma war verschwunden. (Quelle: bienenundnatur.de)

Tränengas in Zwiebeln?

Warum weint man beim Zwiebelschneiden? Weil die Zwiebel an getrennten Stellen ihrer Zellen schwefelhaltige Eiweißbausteine und Enzyme enthält – wenn sie in Kontakt kommen, entsteht ein Stoff, der wie Tränengas auf die Augen wirkt: Sofort rinnen die Tropfen. Übrigens, je schärfer das Messer, desto sauberer der Schnitt und desto geringer die enzymatische Reaktion. (Quelle: Buch „Küchenwissen“)

Das Vegetable Orchestra …

… macht Musik mit Gemüse. Die Musiker schnitzen es zu Klangkörpern und spielen damit witzige und beeindruckende Geräuschwerke. Anschließend werden die Instrumente zu einer Gemüsesuppe gekocht. Muss man gehört und gesehen haben, z. B. auf CDs oder in Livekonzerten. Infos und Videos auf vegetableorchestra.org

Vegetable Orchestra
Foto: Shutterstock

Sounddesigner kreieren Geräusche für Lebensmittel

Knacken, knistern, ploppen, rascheln – wie Chips, Kekse oder Würstchen klingen, ist kein Zufall. Es sind Sounddesigner, die das Geräusch unserer Lebensmittel kreieren, vom Biss über die Verpackung bis zum Glasdeckel, der beim Öffnen knackt. Die Akustik soll die wichtigsten Eigenschaften des Produkts über das Ohr vermitteln. Mehr unter „food sounds“ bei der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft dlg.org

Tonic Water leuchtet blau

Tonic Water leuchtet in UV-Licht blau, das liegt am Chinin. Das wiederum ist drin, weil es bis 1934 das Einzige war, was vor Malaria schützte. Damit die bittere Arznei angenehmer wurde, mischten britische Kolonialbeamte im 17. Jahrhundert in Indien das Chinin in Selters und kippten Wacholderschnaps dazu – der Gin Tonic war erfunden.

Läuse im Campari?

Die schöne rote Farbe vieler Limonaden, Bonbons und (bis 2006) auch die des Bitter­likörs Campari wird tat­sächlich aus Cochenille-Schildläusen gewonnen. Der Farbstoff heißt Karmin, Veganer können ihn in Lebensmitteln als „E 120“ identifizieren. Oder vermeiden: Karmin aus synthe­tischer Herstellung erkennt man an der Nummer „E 124“. (Quelle: wikipedia.org)

Läuse im Campari
Foto: Stocksy

Woher hat Coca-Cola seinen Namen?

Dass die original Coca-Cola so heißt, weil die erste Rezeptur Kokain enthielt, wird vom Hersteller immer wieder bestritten. Es gibt aber Indizien – und bis 1914 war in den USA der Zusatz von Kokain zu Getränken auch nicht verboten. Unstrittig ist hingegen, dass im II. Weltkrieg Schokolade, die deutsche Soldaten mit ihrer Ration erhielten, mit dem Aufputschmittel Pervitin versetzt war. (Quellen: pharmazeutische-zeitung.de, deutschlandfunkkultur.de)

Buchempfehlungen: Noch mehr Food-Facts?

  • Trockener Titel, tolles Buch: „Die Weltgeschichte der Pflanzen“ von Wolfgang Seidel. (Eichborn Verlag)
  • Wunderbar illustriert verrät „Was wir essen“ alles Wichtige über unsere Nahrungsmittel und ihre Zubereitung. (DK Verlag)
  • Tipps zur Kunst des Würzens liefert „Aroma essenziell“. (Stiftung Warentest)
  • Verblüffende Antworten auf mehr als 700 kulinarische Fragen gibt der Band „Küchenwissen“. (DK Verlag)
  • Zu einer Tour de Force durch die „Europäische Esskultur“ lädt Gunther Hirschfelder. (Campus Verlag)

Warum ist die Banane krumm?

Die Schwerkraft ist am Werk. Zunächst wächst aus dem Stamm ein grüner Trieb in die Höhe. Wenn das Büschel zu schwer wird, neigt es sich Richtung Boden. Auch die kleinen Bananen wachsen zunächst nach unten – aber auf der Suche nach Licht drehen sie sich erst nach außen, dann nach oben. Und sind dann halt krumm. Übrigens sind fast alle Dessertbananen weltweit Klone der 1830 gezüchteten kernlosen Sorte „Cavendish“.

Wie schnell fließt Ketchup?

Klassischer Ketchup hat eine Fließgeschwindigkeit von 0,045 km/h, haben Forscher der australischen Uni Melbourne erforscht. Also 45 Meter in der Stunde oder 12,5 mm pro Sekunde. Man hat es geahnt: Eine Schildkröte ist schneller. Ebenfalls erforscht
wurde der Gebrauch: erst schütteln, damit eine gleichmäßige Konsistenz entsteht. (Quelle: foodmonitor.de)

Die erste Pizza im Weltall

Am 23. Mai 2001 um 02:23 wurde mit einem unbemannten russischen Progress-Transporter die erste Lieferpizza im Weltall zugestellt. Der salamibelegte Fladen kostete 1 Mio. Dol­lar. Das zahlten aber nicht die Astronauten der internationalen Raumstation ISS, sondern das US-Unternehmen Pizza Hut für diesen Werbegag. (Quelle: wissenschaft.de)

Von Angela Oelckers

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