16. Juni 2021 Category Icon

Licht: Wie es unser Leben beeinflusst

Licht an! Wie Licht unser Leben beeinflusst

Ob es von der Sonne kommt oder von der Neonreklame – Licht ist überall um uns herum. Sogar dort, wo wir es gar nicht vermuten. Wir folgen ihm einen Tag lang und lassen uns erleuchten.

Licht
Foto: Shutterstock

Guten Morgen! Gut geschlafen? Nun aber raus aus den Federn. Es ist schon lange hell, wir wollen doch nicht als lichtscheu gelten! Mehr noch: An diesem strahlenden Sommertag haben wir eine Verabredung mit dem Licht, folgen seinem Funkeln, lassen uns blenden und sammeln Erhellendes.

Licht steht für das Gute

Also komm, wir spazieren als Erstes zur Kirche, die Glocken läuten schon. Tritt ein, schau: wie Sonnenstrahlen bunt durch die Glasscheiben tanzen, über Heiligenbilder und goldene Strahlenkränze. „Ich bin das Licht der Welt“ steht dort über dem Altar, das sagte Jesus von sich. Damit wissen wir schon mal eins: Licht steht immer für das Gute, für die Finsternis bleibt nur die Rolle des Bad Guy.

Es werde Licht! In vielen Schöpfungsmythen, nicht nur dem christlichen, ist es der Anfang von allem. Wie wir heute wissen, ist das nicht einmal ein Mythos: Im „Urknall“ werden auch die Photonen genannten Lichtteilchen geboren. Viele Kulturen haben sogar das Licht selbst vergöttert, die Ägypter zum Beispiel. Und die Erkenntnis des Göttlichen nennen wir noch heute Erleuchtung.

Ohne Licht gäbe es uns gar nicht

Die Verehrung des Lichtes ist auch völlig angemessen, denn ohne Licht gäbe es uns gar nicht, wir atmen Licht, wir essen Licht. Glaubst du nicht? Komm, ich zeige es dir, drüben am Dorfteich. Setzen wir uns da ein wenig in den Schatten, auf die Bank unter den alten Buchen. Es ist warm in diesen Sommertagen, dem Teich scheint die Sonne nicht so zu bekommen: Schlierige Algen schwimmen auf dem Wasser. Du findest das eklig? Zolle ihnen lieber etwas Respekt: Den Vorfahren dieser kleinen Schleimer gelang die beste Erfindung der Evolution: Fotosynthese.

Das Wort bedeutet so viel wie „etwas aus Licht zusammensetzen“. Vor etwa 2,7 Milliarden Jahren haben erstmals ein paar blaugrüne, algenähnliche Cyanobakterien aus Licht etwas Neues gemacht, sie haben Meerwasser und CO2 hinzugefügt und den Mix in energiereiche Zucker und Sauerstoff verwandelt. Sie haben Licht in Luft verwandelt! Und tun es noch heute, rund die Hälfte unseres Luftsauerstoffs erzeugen Bakterien, den Rest die grünen Pflanzen. Wie diese Buche, unter der wir sitzen.

Licht im Wald
Foto: Shutterstock

Licht als Nahrung

Schau, während die Sonne in den leuchtend grünen Blättern schwirrt: Deren Chlorophyll-Moleküle absorbieren gerade Licht, fressen es auf! Ist das nicht magisch? Möchtest du einen Müsliriegel? Du hast sicher Hunger, ist ja schon fast Mittag. Lass dir das Müsli-Licht auf der Zunge zergehen. Ja, richtig: Auch wir Menschen essen letztlich dieses Licht, das die Blätter futtern, indem wir die Pflanzen essen, die daraus Luft und Energie machen. Die Erfindung der Fotosynthese hat ja erst den Boom der Landpflanzen ermöglicht, auf einem Planeten, der ansonsten „wüst und leer“ war. Licht lässt heute unser Gemüse und Getreide wachsen, lässt es Kohlenhydrate bilden, von denen wir leben.

Wie schnell ist eigentlich Licht?

Puh, wie die Sonne sticht! Kaum zu glauben, dass das Licht von der Sonne bis auf deine Nase nur etwa 8 Minuten und 20 Sekunden braucht, oder? Nichts im Universum ist schneller als Licht. Im Vakuum des Alls legt es rund 300.000 Kilometer in der Sekunde zurück und könnte in der Zeit die Erde 7,5-mal umrunden. Licht ist sichtbare, pure Energie. Hast du auch als Kind mit Vaters Vergrößerungsglas gezündelt und mit den gebündelten Strahlen Papierschnipsel in Brand gesetzt? Heute gibt es Laserstrahlen, deren Licht so präzise gebündelt ist, dass man damit Metall schneiden kann oder Tumore operieren.

So viel Energie hat ein Blitz wirklich

Wie viel Energie wohl ein Blitz hat, fragst du? Jedenfalls nicht genug, um eine Kleinstadt mit Strom zu versorgen, wie oft behauptet. Denn auch wenn er mit Millionen von Volt und hohen Ampere- Werten aufwarten kann, lebt ein typischer Wolke-Erde-Blitz nur den Bruchteil einer Sekunde und hat daher gerade genug Power, um eine 100-Watt-Glühbirne etwa zehn Tage lang leuchten zu lassen.

Tiere sehen mehr Farben als Menschen

Gehen wir weiter? Noch eine Runde durch den Park? Wie schön die Blumen blühen, ein bunter Rausch aus Rot und Blau, Weiß, Gelb und Violett. „Die Farben sind Taten des Lichts“, schrieb Goethe 1810 in seiner Farbenlehre. Ohne Licht keine Farbe. Mit einem Prisma lässt sich weißes Licht in seine bunten Bestandteile zerlegen. Ob du die blaue Blume aber genauso siehst wie ich, werden wir nie erfahren: Es ist unser Hirn, das die im Auge eintreffenden Wellenlängen interpretiert. Was ich als Türkis sehe, nimmst du vielleicht als eher Blau wahr. Ohnehin können wir Menschen nur ein schmales Spektrum von Licht-Wellenlängen sehen, Tiere sind da vielseitiger: Bienen erkennen ultraviolette Strahlen der Blütenblätter, Buntbarsche sehen auch Infrarotlicht.

„Den Rest meines Lebens möchte ich damit zubringen, darüber nachzudenken, was Licht ist.“ Albert Einstein

Das Geheimnis der Farben ergründen, des sich ewig wandelnden Lichtes – haben die Maler eigentlich je etwas anderes gewollt? Sind die Gemälde der Impressionisten, bei denen sich Flächen aus zahllosen bunten Punkten zusammensetzen, nicht eine große Huldigung an das Licht? Bei unserem nächsten Licht-Streifzug gehen wir auch ins Museum! Für heute soll es genug sein, meinst du nicht? Der Tag neigt sich dem Ende zu, die Sonne sinkt – die ersten Straßenlaternen gehen an.

Der Mensch beherrscht das Licht

Schon beeindruckend, wie viel Erfindergeist wir Menschen in die Beherrschung des Lichtes investiert haben, von der Fackel bis zur Glühbirne, von Neon bis Laser. Unsere Lichterfindungen vertreiben die bedrohliche Dunkelheit und zeigen den sicheren Weg: Ampeln dirigieren die Kreuzung, Positionslaternen weisen die Einfahrt zum Hafen, Leuchttürme warnen vor Untiefen.

Aber unser schickes Kunstlicht hat auch eine Schattenseite: Die Dauerbeleuchtung in der Nacht stört ganz gewaltig die Abläufe der Natur. Zugvögel kommen vom Kurs ab, Insekten verenden in Illuminationen, ganze Ökosysteme geraten aus dem Takt. Und uns kommt die Schönheit der Nacht abhanden, ausufernde Beleuchtung knipst die Sterne aus, tschüss Milchstraße. Der helle Wahnsinn.

Licht und sein Einfluss
Foto: Stocksy

Licht steuert unseren Biorhythmus

Du bist müde, sagst du? Gut, gehen wir heim. Es war ein langer, heller Tag. Auch bei deiner Schläfrigkeit ist das Licht am Werk, es steuert deinen Biorhythmus. Morgens unterdrückt blaueres Tageslicht das Schlafhormon Melatonin, du wirst wach. Abends hingegen ist es gelbliches Licht, das das Melatonin ankurbelt und dich schläfrig macht.

Licht zur falschen Zeit kann den ganzen Organismus durcheinanderbringen. Wer mit dem Flugzeug schon einmal mehrere Zeitzonen durchquert hat, kennt das als Jetlag. Selbst um uns an die eine Stunde Verschiebung zur Sommerzeit zu gewöhnen, brauchen wir Tage. Für heute aber genügen ein paar Stunden Schlummer. Also dann, das Licht schwindet, es ist Zeit: Ab in die Federn,
schlaf schön. Gute Nacht!

Lichtblicke: Das Museum in Unna zeigt Licht-Kunstwerke

Das „Zentrum für Internationale Lichtkunst“ in Unna ist das einzige Museum weltweit, das ausschließlich Kunstwerke zeigt, die mit Licht arbeiten. Es nutzt die historischen Bauten der einstigen Lindenbrauerei: Neonzahlen schmücken den 52 Meter hohen Schornstein, leuchtende Installationen verteilen sich tief im Dunkel der unterirdischen früheren Lagerräume. Für das ZfIL haben bereits 13 der international bekanntesten Lichtkünstler Werke geschaffen, u.a. der Isländer Ólafur Elíasson und der Kalifornier James Turrell. lichtkunst-unna.de

… wie Motten das Licht

Straßenlaterne
Foto: Stocksy

Jetzt in den lauen Sommernächten schwirren sie wieder um die Straßenlaternen, die Motten, bis sie erschöpft abstürzen. Warum? Weil sie nicht anders können. Eigentlich werden Nachtfalter nämlich vom Mondlicht angezogen, sie halten einen bestimmten Winkel zum Mond, um eine gerade Linie fliegen zu können. Und wenn sie dann unsere Laternen für den Mond halten und dort immer wieder diesen Winkel einnehmen, führt das zu tödlichen Spiralen. Auf Licht mit hohem Blauanteil reagieren nachtaktive Insekten besonders intensiv, zum Beispiel auf kaltweisse LEDs. Wer seine Gartenlaternen also mit warm strahlenden Leuchtmitteln bestückt (oft als Amber oder Bernstein bezeichnet), schont die Insektenwelt. Sinnvoll sind auch Laternen, die tatsächlich nur nach unten den Weg beleuchten. Mehr zum Nachfalterschutz unter bund-sh.de/stadtnatur/insektenvertraeglichere-beleuchtung

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Wer dieses Buch aufklappt, dem geht ein Licht auf: Das originale „Book Light“ von
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Von Johanna Dank

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