9. August 2019 Category Icon

Weniger ist Meer

Plastik ist aus unserem Leben kaum wegzudenken. Gleichzeitig ist es Auslöser für eine globale Katastrophe. Was wir tun können – und müssen, um den Verpackungswahnsinn einzudämmen.

Plastik im Meer
Foto: Stocksy

Geht es Ihnen auch so? Die Berge an Plastikmüll, die Sie innerhalb, sagen wir: einer Woche in die private Gelbe Tonne kippen, machen Sie fassungslos. Es ist zu viel! Der Coffee to go („Mist, habe den Recycelbecher wieder vergessen“) und das in Plastik verpackte Mittagessen („heute ausnahmsweise!“) sind da noch nicht mitgerechnet. Plastik, das mal als Wunderstoff gefeiert wurde und seinen Siegeszug antrat, weil bei der Herstellung und beim Transport verhältnismäßig wenig Energie verbraucht wird, es leicht und hygienisch ist, ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken – gleichzeitig ist es Auslöser einer globalen Umweltkatastrophe.

Die Helden der Plastik-Ära sind Unternehmen, die die Meere vom Plastikmüll säubern.

In den 1950er-Jahren wurden erstmals Spuren von Plastik im Menschen nachgewiesen, kurz darauf folgten Berichte über Plastikmüll im Meer. Heute schwimmen 100 Millionen Tonnen davon herum, ein ökologisches Desaster, unter dem 300 Meerestierarten leiden.

Die Helden unserer Zeit sind daher zu Recht Unternehmer wie der Niederländer Boyan Slat, die die Ozeane davon säubern wollen. Als 16-Jähriger setzte er sich genau dieses Ziel, heute, sieben Jahre später, startet „The Ocean Cleanup“, wofür Slat Forscher, Unternehmen und Universitäten gewinnen konnte: 600 Meter lange Schwimmkörper, an denen eine Art Vorhang drei Meter tief ins Wasser hängt, sollen den Müll einsammeln.

Auf Plastik verzichten

Stofftaschen als Plastik Alternativen
Von der Stofftasche bis zum Glas – Alternativen zu Plastiktüten und PET-Flaschen gibt es inzwischen reichlich. | Foto: Shutterstock

Sie versuchen zu beseitigen, was wir hinterlassen haben. Die Frage lautet: Was können wir tun? Die Antwort, zumindest in den wohlhabenden Nationen, ist simpel: Es muss weniger Plastik verbraucht werden, und das, was einmal benutzt wurde, muss besser verwertet werden. Dazu müssen Politik, Hersteller, Recyclingindustrie und Bevölkerung zusammenarbeiten.

Und es tut sich was. Anfang des Jahres wurde beschlossen, dass bis 2030 Plastikverpackungen in der EU komplett recycelbar sein müssen. Manche Läden bieten ihre Waren seit Kurzem unverpackt an, auch wenn das nicht für alle Produkte möglich ist. Seit sich der Handel 2016 verpflichtet hat, Plastiktüten – deren Zersetzung 400 Jahre dauert – nicht mehr kostenlos zur Verfügung zu stellen, reduzierte sich ihre Zahl um ein Drittel beziehungsweise 1,3 Milliarden Stück.

Kein Plastik bei tegut…

Diese Selbstverpflichtung war bei tegut… nicht notwendig: Hier verzichtet man schon seit mehr als zehn Jahren auf Tragetaschen aus Plastik und bietet praktische Alternativen wie Tragekartons, Papiertragetaschen oder, schon seit 30 Jahren, Baumwollbeutel an – und aktuell Fashionbags aus Bio-Baumwolle, hergestellt von manomama, Deutschlands erstem und bislang einzigem textilen Social Business.

Manchmal ist Verpackung für Obst und Gemüse leider notwendig.

Auch bei den (immer noch) kostenlosen transparenten Tüten in der Obst- und Gemüseabteilung ging man bei tegut… früh nachhaltige Wege: Die sogenannten Knotenbeutel bestehen zu mindestens 85 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen – ein höherer Anteil als bei den meisten kompostierbaren Alternativen.

Für die Kunden verändert sich in der Handhabung und in der Qualität beim Transport nichts: Die neuen Knotenbeutel haben die gleichen guten Eigenschaften wie die Variante aus Kunststoff. „Man kann sie also bestens mehrfach verwenden. Doch der entscheidende Vorteil gegenüber kompostierbaren Verpackungen ist die Recyclingfähigkeit der PE-Folie. Dafür müssen die Beutel aber im Gelben Sack entsorgt werden“, sagt Rainer Würz, tegut… Qualitätsmanager. Eine andere saubere Alternative zu den herkömmlichen Beuteln: In den tegut… Märkten gibt es jetzt wiederverwendbare, waschbare Obst- und Gemüsenetze zu kaufen.

Saubere Alternativen bei tegut…

Weitere Maßnahmen:

  • Das SB-Fleisch der Qualitätsmarken tegut… Bio und tegut… LandPrimus schützt eine sogenannte Flat-Skin®-Verpackung. Sie braucht bis zu 75 Prozent weniger Kunststoff als die herkömmlichen Kunststoffverpackungen. Um sie sortenrein recyceln zu können, muss sie einfach nur nach Gebrauchsanleitung komplett getrennt werden.
  • Für die Milchprodukte der tegut… Eigenmarke wie etwa Sahne und Joghurt werden Becher eingesetzt, die durch eine Pappbanderole gestützt werden. Folge: Es wird weniger Plastik gebraucht, Banderole und Becher sind anschließend getrennt zu 100 Prozent recycelbar.
  • Die traditionell hergestellte tegut… Frischmilch ist in Mehrweg-Glasflaschen abgefüllt. Glas ist nicht nur absolut geschmacksneutral, sondern besitzt als Mehrweg-Pfandflasche auch eine hervorragende Umweltbilanz.

Der gute Wille hat sich aber doch manchmal (noch) den äußeren Umständen zu fügen. Beispiel: Bio-Gurken. Der Gesetzgeber schreibt eine deutliche Unterscheidung zwischen konventionellem und biologischem Gemüse vor, und da mehr konventionelle Ware verkauft wird, werden Bio-Gurken eben in Plastik verpackt. Diese Kennzeichnungspflicht erfüllt bei regionalen Partnern eine Banderole. Da klimabedingt das Sortiment zu bestimmten Jahreszeiten mit Bio-Gurken aus Spanien ergänzt wird, muss die Ware auch aus Qualitäts- und Haltbarkeitsgründen in Plastik verpackt werden.

Was gehört in den Gelben Sack?

„Die Leute denken, es wird alles verbrannt“, sagt tegut… Qualitätsmanager Rainer Würz. Dabei kämen nur Sortierreste, z. B. die zu klein zur Sortierung sind, in die energetische Verwertung. Auch ein Problem: Becher und Alu-Deckel, die nicht getrennt werden. Nur einzeln lassen sich die Materialien gut wiederverwerten. Wichtig ist also, alle Materialien voneinander zu trennen und dann alle – außer Papier und Glas – im Gelben Sack oder in der Gelben Tonne zu entsorgen. Nur so können die Materialien dann auch wertstofflich verwertet werden.

Von Christian Sobiella

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