25. November 2019 Category Icon

Schokolade: Fakten und Fiktion

Schokolade – Götter-Speise

Von Bruntje Thielke

Wir sind Schoko-Europameister: Knapp zwölf Kilo Schokolade nascht jeder Deutsche pro Jahr. Und gerade jetzt in der Weihnachtszeit greifen wir beherzt zu.

Schokoladentafeln gestapelt
Gestapeltes Glück | Foto: Shutterstock

Der große englische Schriftsteller Charles Dickens brachte es auf den Punkt: „Nichts ist wertvoller als ein guter Freund. Außer ein Freund mit Schokolade.“

Schon seit Tausenden von Jahren genossen, ranken sich heute zahlreiche Mythen um die Schokolade. Das beginnt mit dem verheißungsvollen lateinischen Namen des Kakaobaumes: Theobroma cacao – Speise der Götter. Schokolade gilt als Seelenstreichler, soll gesund fürs Herz sein und sogar die sexuelle Lust steigern können. Allerdings halten viele Schokolade auch für den Dickmacher Nummer eins. Anlass genug, sich Fakten und Fiktion einmal näher anzuschauen.

„Schokolade ist Gottes Entschuldigung für Brokkoli.“ US-Schriftsteller Richard Paul Evans

Begonnen hat die Geschichte der Schokolade vor rund 3500 Jahren, als die Olmeken im heutigen Mexiko zum ersten Mal die Früchte des Kakaobaums aufbrachen, Samen und das Fruchtfleisch pürierten und mit Wasser vermischten. Dieser Ur-Kakao war reichlich bitter – aber als Stimulanz so begehrt, dass Kakaobohnen als Zahlungsmittel verwendet wurden.

Im 16. Jahrhundert wurde die Mixtur mit Vanille gewürzt und mit Honig und Rohrzucker gesüßt – die wichtigste Voraussetzung für den Siegeszug der Schokolade um die Welt. 1828 wurde dann die Kakaopresse erfunden, mit der man Kakaopulver herstellen und industriell verarbeiten lassen konnte. Das Pulver ist auch heute noch wesentlicher Bestandteil von Schokolade, zusammen mit Kakaobutter, Milchpulver und Zucker. Bei weißer Schokolade wird Kakaopulver weggelassen, bei dunkler Schokolade das Milchpulver.

Schokoladenbohnen
Entscheidend für die Herstellung von Schokolade ist die Wahl der Bohne – die wichtigsten Sorten sind Criollo (besonders edel), Forastero (sehr häufig) und Trinitario (edel und kräftig) | Foto: Shutterstock

Schokolade – süße Kindheitserinnerung

Dass Schokolade unsere Laune beeinflusst und glücklich macht, ist einer der ältesten Mythen. Schon Kardinal Alphonse de Richelieu verordnete sich Schokolade als Medizin ­gegen trübe Stimmung – und das war Mitte des 17. Jahrhunderts.

Tatsächlich enthält Schokolade in geringen Mengen einen Wirkstoff, der das Glückshormon Serotonin freisetzt. Entscheidender dürfte allerdings sein, dass wir Schokolade von der frühen Kindheit an mit positiven Gefühlen verbinden. So sorgt allein ihr süßer Geschmack auf der Zunge für Wärme und Wohlbefinden.

Gesundheitliche Wirkung von Schokolade

Und was ist mit der gesundheitssteigernden Wirkung von Schokolade, von der schon Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe fest überzeugt war? Ganz falsch lag er nicht, wie eine 2010 im „European Heart Journal“ veröffentlichte Studie zeigt: Dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil kann demnach die Durchblutung verbessern. Wer sie täglich in geringen Mengen isst, kann hoffen, so das Risiko für Herz- und Schlaganfälle zu senken.

Nachdem das geklärt ist, bleibt da noch die Sache mit der guten Figur: Rund 500 Kalorien stecken in 100 Gramm, bei dunkler Schokolade sind es etwas weniger. Ja, zu viel Schokolade macht dick. Und nein, Schokolade ist nicht vernünftig. Sie sollte mit Muße und in Maßen genossen werden. Doch ohne Schokolade wäre die Dessertkarte in unserem Lieblingsres­taurant reichlich kurz und die Kuchenvitrine beim Bäcker ziemlich leer. Die süße Sünde lässt uns einfach dahinschmelzen. Schokolade ist Soulfood pur. Und niemand sagt das schöner als die Franzosen. Die haben den Begriff Nougat von „tu nous gâtes“ abgeleitet. Und das heißt: Du verwöhnst uns.

Schokolade – verschiedene Sorten

Schokoladenbohnen
Foto: Shutterstock

Weiße Schokolade enthält Kakaobutter, Milchpulver, Zucker, Vanille und häufig Lezithin – mehr Zutaten dürfen nicht verwendet worden sein. Da weiße Schokolade sehr empfindlich ist, sollte man sie beim Schmelzen vorsichtig und langsam erhitzen.

Milchschokolade besteht aus Kakaomasse und Kakaobutter, Milchpulver, Zucker, Vanille und ebenfalls oft Lezithin. Der Kakaoanteil liegt meist zwischen 28 und 33 Prozent. Wie weiße Schokolade ist sie empfindlich und sollte vorsichtig geschmolzen werden.

Zartbitter- und Bitterschokolade hat die gleichen Inhaltsstoffe, allerdings ist der Kakaoanteil höher (er liegt bei mindestens 50 Prozent) – und sie enthält in der Regel kein oder kaum Milchpulver.