21. Dezember 2020 Category Icon

Der tegut... Einkaufszettel

Einkaufszettelpoesie Nr. 21

Einkaufszettel sagen einiges über Menschen aus, über ihre Wochenenden, Vergesslichkeit und Gardinen.

Nehmen wir an, es ist Sonntag, was ja schließlich in aller Regelmäßigkeit vorkommen soll. Wissenschaftler behaupten, alle sieben Tage, die menschliche Wahrnehmung behauptet etwas anderes, denn der Sonn­tag ist ja immer schon wieder vorbei, bevor er angefangen hat. Womit er ja eigentlich gar nicht existiert. Das wiederum würde Religionen in Erklärzwang bringen, darum beenden wir das Ganze besser hier und stellen frisch gebackenen Kuchen auf den Tisch, für den wir erst am Tag zuvor frische Eier, Zucker, Mehl, Margarine und Schlagsahne gekauft haben. Riechen Sie den Duft?

Es riecht nach Sonntag, denn Sonntag ist Kuchentag. Womit bewiesen wäre, dass es doch Sonntage gibt. Glück gehabt, liebe Kalenderproduzenten. Doch was ist auf dem Kuchen? Bestimmt etwas Originelles wie Wurst oder Werther’s Popcorn. Beides wäre vielleicht mal einen Versuch wert.

Genehmigen wir uns dazu ein Glas O-Saft – Bier und Wasser wurden leider vergessen – und fragen uns, was man mit Sprühsahne und Zewarollen so alles machen kann.

tegut... Einkaufszettel
Gefunden in der tegut… Filiale in Witzenhausen

Man könnte wilde Texte, Lyrik oder Einkaufszettel an die Wand sprühen und damit Food-Graffiti erfinden, aber da man mit dem Essen ja nicht spielt, wischen wir die Sprühsahne wieder fix mit dem Küchentuch weg. Man könnte auch die Fenster mit Küchenrolle verkleiden und die ganze Sahne einfach in den Mund sprühen; etwas, das die Nachbarn ja nun nicht mitbekommen sollten. Schließlich ist Sonntag, und die Nachbarn sind auf Diät.

Und während wir weiter bei Popcornkuchen darüber sinnieren, fällt einem auf, wie grau die Gardinen doch sind. Grau wie Tauben, grau wie Kiesel aus der Mosel, grau wie die Theorie. In dieser würde man nämlich nun Gardinenweiß nehmen, aber das haben wir auch nicht mit eingekauft. In der echten Praxis hängen wir deshalb die Gardinen einfach ab. Schon ist alles viel heller, und auch der Blick für die Nachbarn ist unverstellt. Und sollten wir doch mal was zu verheimlichen haben an so einem sagenumwobenen Sonntag, dann haben wir ja immer noch Zewarollen.

Von Dirk Henkelmann

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