21. Dezember 2021 Category Icon

Einkaufszettelpoesie Nr. 27

Einkaufszettel sagen einiges über Menschen aus, über deren mathematischen Fähigkeiten, über Ahhhs, Ohhhs, Mmmhs und eine Frau aus Schwaben.

tegut... Einkaufszettel

Kennen Sie die schwäbische Hausfrau? Die berühmte, viel zitierte? Natürlich werden Sie sagen, jeder kennt die, schließlich hat sie sich wie Schimmelpilz (vor drei Jahren wäre sicher eine Virus- Analogie gewählt worden, heutzutage sind die unpopulär) im ganzen Land ausgebreitet und steckt in einem jeden von uns. Und weil das so ist, wissen wir alle auch, dass man beim Einkaufen immer ein wenig rechnen muss. Mit dem eigenen Budget, mit unschlagbaren Angeboten, mit frischen Saisonartikeln und wenn man Pech hat, sogar mit Frau Sinning, der schwatzhaften, stets übergut gelaunten Einkaufswagenbremserin aus der Nachbarschaft.

Einkaufen gehört damit also in den Bereich der höheren Mathematik und müsste an Universitäten gelehrt werden, aber für so wirklichkeitsnahe Wissenschaften ist unsere sonst so aufgeschlossene Gesellschaft leider nicht offen. Egal, wir kommen auch so klar und addieren mal kurz im Kopf, was wir heute alles in den Wagen laden. Es sind 47.694 Kalorien und damit genug Energie, um gut ein paar Tage über die Runden zu kommen. Es sind 15 A, 7 O und 6 M und damit genug lautmalerische Vokale und Konsonanten, um ausreichend Begeisterungslaute über diverse kulinarische Feinheiten auszustoßen.

Es sind 28 unterschiedliche Verfallsdaten, die man besser differenziert als kürzt. Es sind 9,4 kg beste tegut… Güter, die den Raum von 4 Einkaufsbeuteln füllen. Und natürlich muss man auch mit glücklichen Gesichtern rechnen, die Leibgerichte und Lieblingsspeisen im Sinn haben.

Ja, all das, diese höhere Mathematik, hat die Schwäbische-Hausfrau-infizierte Kundin im Kopf, wenn sie Kiwi, Tomaten, Gurke, Eier und Co. in den Wagen legt, um dann aber doch weniger zu zahlen, als sie gedacht hatte. Aber mit solchen Fehlern muss man nicht rechnen, die muss man passieren lassen. Sagt Frau Sinning auch immer.

Von Dirk Henkelmann

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