21. Oktober 2019 Category Icon

Einskaufszettelpoesie Nr. 7

Einkaufszettel sagen einiges über Menschen aus, über ihre Wohnungen und deren Vermieter.

Es gibt sie, die Menschen, die ihr Leben auf wenigen Quadratmetern fristen. Bei Wasser und Brot. Ja, natürlich auch die, die wegen übler Gewalttaten, Steuerhinterziehung oder schlechtem Modegeschmack im Knast sitzen, aber um die geht es nicht. Die verdienen auch keinerlei Aufmerksamkeit. Wir reden hier von den prekären Lebensverhältnissen, von Menschen, die so kleine Wohnungen haben, dass man sie als Wohnklo bezeichnen darf, ach was, sogar muss. Da ist kein Platz für einen Kühlschrank voll frischen Gemüses und Käsefeinheiten.

Gefunden in einer tegut… Filiale in Hünfeld.

Da gibt es eine Klorolle, vor die man immer stößt, wenn man sich umdrehen will. Da passt auf das Fensterbrett nur ein Deo, so schmal ist der Lichtdurchlass. Und trotzdem lassen sich solche Menschen nicht die Würde nehmen. Sie halten ihre Nasszelle sauber, mit Edelstahlpads, denn auch hier gilt: My home is my castle.

Sie gehen mit völliger Nüchternheit und voller Power an die Reinigung der vier Wände. Von diesen Menschen brauchen wir mehr, sogar viele. Von Vermietern, die solche Zellen vermieten, dagegen weniger. Die gehören in den Bau, zu den anderen Lumpen da oben.

 

 

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Von  Dirk Henkelmann

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