18. Januar 2019 Category Icon

Vertrauen is(s)t gut

Echt jetzt?! Gesund sollen unsere Lebensmittel sein, und wir wollen alles über sie wissen. In Zeiten, in denen Burger ohne Beef ganz normal sind, wird das immer wichtiger …

Mit gutem Gewissen zubeißen – das ist heute möglich wie selten zuvor. Obwohl manche Produkte in ganz neuem „Gewand“ erscheinen.

Die Fragen nach unserem täglichen Essen, nach dem Wahrhaftigen unserer Lebensmittel werden in Deutschland immer wichtiger: Was kommt da genau auf unseren Teller, wo stammt es her, und was steckt alles darin?

„Das Interesse an sicheren Lebensmitteln und die Sorge um deren Herkunft hat sich zu einem Dauerthema in unserer Esskultur entwickelt“, sagt Hanni Rützler, Trendforscherin vom Zukunftsinstitut (zukunftsinstitut.de) und Pionierin der Ernährungswissenschaft, in ihrem aktuellen Foodreport 2019. Schließlich sind vielen Verbrauchern die Lebensmittelskandale der Vergangenheit noch in Erinnerung: Genmanipulationen, Gammelfleisch oder Missstände bei der Massentierhaltung.

Viele Gesetze zum Schutz von Lebensmitteln

Dabei haben Verbraucher heute mehr Möglichkeiten, sich über Lebensmittel zu informieren, als jemals zuvor: über Tracking-Codes auf den Verpackungen, Websites und Informationsportalen von Ministerien, Behörden und Verbraucherschutz. Noch nie gab es in der EU so viele Gesetze zum Schutz von Lebensmitteln.
Für viele Kunden ebenso wichtig: Heute gibt es in den Supermärkten immer mehr Alternativen zu herkömmlichen Produkten. Wer kein Gluten verträgt, hat die Wahl zwischen Nudeln aus Linsen oder, wenn gewünscht, aus Algen. Veganer müssen ihren Kaffee längst nicht mehr schwarz trinken, sondern genießen ihn mit Reis-, Hafer-, Mandel-, Dinkel- oder Sojadrink. Und das ist längst nicht alles, was die Lebensmittelindustrie für Menschen entwickelt hat, die auf tierische Produkte verzichten wollen. Vorbei die Zeiten, in denen sie mit geschmacksneutralen Tofusteaks abgespeist wurden.

Pflanzen als Fleisch- und Wurst-Alternativen

Heute kommt täuschend echte Currywurst ohne Wurst daher, Burger-Patties werden aus Süßkar­toffeln kreiert und Schinkenspicker aus Erbsen. Und natürlich gibt es auch längst Käse und Joghurt ohne Kuhmilch. Warum auch nicht? Faux Food (oder auch Fake Food) macht es möglich. Und der Erfolg stellt sich ein, wenn auch der Geschmack stimmt.
Der Trend, herkömmliche Lebensmittel zu imitieren, variieren und mit den Erwartungen der Konsumenten zu spielen, ist in der Foodbranche ungebrochen. Dabei kommt nicht nur Gemüse eine besondere Rolle zu, sondern auch immer weiteren Pflanzen. Sie sind die Basis bei der Produktion ganz neuer Lebensmittel.

Der neueste Trend: Es zählt wieder mehr der Geschmack

„Plant Based Food“ ist, wenn man Hanni Rützler Glauben schenken darf, einer der großen Foodtrends in diesem Jahr. Gefragt sind dabei proteinreiche Pflanzen wie Kichererbsen, Pilze, Samen und Algen (die wegen ihres speziellen Geschmacks aber nur begrenzt einzusetzen sind). Proteine, da ist sich Rützler sicher, „sind die neuen Superhelden unter den Makronährstoffen“.

Die aktuellen Stars der Foodindustrie: proteinreiche Lebensmittel, die als Basis für ganz neue Nahrungsmittel dienen | Foto: Shutterstock

Gesundes Essen wird immer wichtiger

Dabei geht es primär gar nicht um Vegetarismus und Veganismus: Plant Based Food richtet sich weniger an Ernährungsideologen als vielmehr an die stetig wachsende Zahl der Flexitarier, die ab und zu auf Fleisch verzichten, generell aber vor allem gut essen wollen.
Denn auch der „Healthy Hedonism“ ist einer der großen Stars am Foodhimmel 2019. Dazu passend gaben laut Report des Bundesminis­teriums für Ernährung und Landwirtschaft 2018 92 Prozent der Befragten an: Es ist mir wichtig, dass mein Essen gesund ist. Noch mehr Zustimmung (99 Prozent) erhielt der Wunsch, dass es auch schmeckt. Die Zukunftsexpertin Rützler sieht gar eine Ernährungsemanzipation am Horizont: „Essen ist heute oft eine Glaubenssache. Aber das ist gerade im Wandel.“

Mit anderen Worten: Immer mehr Menschen wollen gesund und genussvoll essen. Verzicht, Kalorientabellen und Nährwerte rücken in den Hintergrund. Im Vordergrund stehen heute eher die Fragen: Was tut mir gut? Was ist da drin? Was schmeckt mir?
Echt jetzt? Echt jetzt!

Von Bruntje Thielke

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