19. Oktober 2020 Category Icon

Weihnachten 2020: Liebevolle Geschenke statt Konsumrausch

Alle Jahre wieder

Weihnachten 2020: Dieses Jahr, in dem alles anders ist als sonst, lädt uns ein, die Magie des Weihnachtsfestes neu zu entdecken. Liebevolle Gaben statt Konsumrausch, und viel Zeit füreinander – ein Geschenk des Himmels!

Alternative Weihnachtsgeschenke
Foto: Stocksy

Wie sieht Weihnachten 2020 aus

Draußen fällt der erste Schnee, und Keksduft zieht durch die Wohnung, Lichterketten tauchen die Straße in warmes Licht, die Kinder öffnen Türchen im Adventskalender. Da ist es wieder: das Weihnachtsgefühl, diese Sehnsucht nach Besinnlichkeit und Nähe, der wir uns einfach nicht entziehen können. Und doch ist diesmal alles ein bisschen anders. Kein gemütliches Gedrängel vor dem Glühweinstand, in den Kirchen eine wahrhaft „stille Nacht“, denn auch sie dürfen nicht voll sein. Bei vielen von uns hat dieses Jahr Spuren hinterlassen, im Körper ebenso wie im Herzen und nicht zuletzt im Geldbeutel. Wie also wollen wir Weihnachten dieses Jahr erleben? Kann die Corona-Krise auch eine Chance sein, nämlich den Konsumrausch hinter uns zu lassen und den wahren Sinn des Festes neu zu entdecken? Die völlig religionsunabhängige Nächstenliebe, das uneigennützige Geben, das liebevolle Beisammensein …

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Alternative Geschenkideen

Foto: Stocksy

Statt Parfum, Gutschein und Co könnten Sie dieses Jahr doch einfach über alternative Geschenke nachdenken. Wir haben uns dazu ein paar Gedanken gemacht.

Früher war Weihnachten bescheidener

Weihnachten war ja nicht immer so, wie wir es heute begehen. Wer noch Großeltern oder Eltern hat, die aus ihrer Kindheit vor vielleicht 70 Jahren erzählen können, wird es öfter hören: Früher war alles bescheidener, man hat sich viel mehr über die kleinen Dinge gefreut. Es gab keine Berge von Geschenken mit Bergen von Verpackungsmüll, keinen Spekulatius im September und kaum dezemberliches Gerenne durch Geschäfte. Dafür mehr Zeit füreinander, Kekse backen mit den
Kindern, echte Kerzen und „Oh Tannebaum“ singen, vor der Bescherung ein Gedicht aufsagen, dann Würstchen und Kartoffelsalat oder einen Braten. Wer religiös war, ging zur Christmette in die Kirche. Eben nicht „Früher war mehr Lametta“, auch wenn das damals noch häufiger im Baum hing als heute. Dieses nostalgische Gefühl ist es, nach dem sich alle sehnen, das in Filmen und Zeitschriften heraufbeschworen wird – doch das im Alltag dann so schwer zu bewahren ist.

Früher war das Weihnachtsfest bescheidener, aber viel emotionaler.

Weihnachten ist ein Fest des Kaufens geworden

Vor allem das Schenken hat sich verändert. Weihnachten ist ein Fest des Kaufens geworden, das sich ganz dem Leistungsgedanken unserer Gesellschaft angepasst hat, sodass es beim Austausch von Gaben nicht selten darum geht, sich gegenseitig zu übertrumpfen. Im vergangenen Winter stieg das Geschenkebudget jedes erwachsenen Deutschen auf 475 Euro pro Kopf – acht Jahre zuvor waren es noch 338 Euro. Und eine aktuelle Studie deutet darauf hin, dass es eher noch mehr wird: 53 Prozent der Befragten wollen dieselbe Summe für Geschenke ausgeben wie im Vorjahr, ein knappes Drittel will sogar aufstocken. Und weil das Einkaufen mit Maske ja so unbequem ist, werden zwei Drittel online ordern, was den ökologischen Fußabdruck jeder Gabe noch mal kräftig verschlechtert.

Reich ist, wer viel hat. Reicher ist, wer wenig braucht. Am reichsten ist, wer viel gibt.“ Gerhard Tersteegen, Schriftsteller und Mystiker, 1697–1769

Liebe schenken
Liebe ist das schönste Geschenk | Foto: Stocksy

Ein perfektes Geschenk soll den Blutdruck senken

Es ist aber auch nicht einfach. Schenken ist ja geradezu eine Wissenschaft für sich. Und immer auch Risiko. Was kann ein Geschenk nicht alles sein: Liebesbezeugung, Selbstdarstellung, Anlass für Beschämung – aber auch einfach für Glück. In jedem Fall offenbart ein Präsent: Ich habe an dich gedacht. Im besten Fall zeugt es von Einfühlungsvermögen und Nähe und macht Schenkenden wie Beschenkten froh. Hirnforscher haben herausgefunden, dass geglücktes Schenken sogar den Blutdruck senken kann.

Schenken ist mit Erwartungen verknüpft

Mal ehrlich: Gibt es überhaupt vollkommen uneigennütziges Schenken? Das nicht auf einen wie auch immer gearteten Gewinn hofft, mindestens bitte Freude und Dankbarkeit? Kleine Geschenke erhalten eben die Freundschaft, das war schon immer so. „Die reine Gabe ist das Unmögliche“, davon war der französische Philosoph Jacques Derrida in den 1990er-Jahren überzeugt. „Selbst da, wo die Gabe immer schon Maßgabe ist, also im religiösen Kontext, wo Gottes Gnade sich fortsetzen soll im menschlichen Geben und Schenken, schwingt letztlich Erwartung mit. Nämlich auf die Honorierung dieses Tuns im Jenseits“, schreibt die Dramaturgin und Wissenschaftlerin Dr. Stephanie Metzger („Homo donans“, Launenweber Verlag).

Plätzchen
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Sollen wir das Schenken lieber lassen?

Aber genug der Philosophie. Uns stellt die Weihnachtszeit schlicht vor die Herausforderung, für viele Menschen zur gleichen Zeit ein passendes Präsent auszusuchen. Dass wir im Überfluss leben, macht diese Aufgabe nicht unbedingt leichter: Die meisten, die wir kennen, haben ja eigentlich schon alles und brauchen keine Dinge. Nicht das x-te Parfüm, keine Kupferpfanne, nicht noch mehr nach wenigen Tagen kaputt gespieltes Plastikzeugs. Wie viele Geschenke verschwinden wohl nach den Feiertagen auf Nimmerwiedersehen im Keller? Sollen wir uns also das Schenken schenken? Nein, ganz sicher nicht! Die neuerdings gern getroffenen „Wir schenken uns nix“-Vereinbarungen wecken den Verdacht, dass dahinter nicht Konsumkritik steckt, sondern schlicht mangelnde Achtsamkeit: „Für dich auch noch was auszusuchen, ist mir echt zu mühsam.“

Lieber das Richtige statt einfach nur mehr schenken

Aber vielleicht finden wir Wege, anders zu geben. Wir könnten im Familienkreis andere Regeln vereinbaren. Uns Zeit statt Zeugs zu schenken, zum Beispiel. Oder Lose ziehen, sodass jedes Familienmitglied nur ein weiteres beschenkt. Wir könnten auf Selbstgemachtes setzen, gemalt oder fotografiert, gestrickt oder gekocht.
Natürlich spricht nichts gegen Materielles, wenn es liebevoll ausgesucht und gern langlebig und plastikfrei ist. „Wir werden nie die Sehnsucht nach Gegenständen verlieren, die wir in die Hand nehmen können“, so Stefan Weigand in „Wunder warten überall“, „gerade durch die einfachen Dinge im Leben erfahren wir Klarheit und Ausgeglichenheit.“ Ein schönes Taschenmesser mit Holzgriff und Korkenzieher: magisch. Ein Bleistift mit silberner Kappe und Radiergummi …

Vielleicht gelingt es uns ja so, am Ende dieses Corona-Jahres ein wenig zur Ruhe zu kommen, dieses besondere Weihnachtsgefühl wiederzuentdecken und die Freude des echten Gebens: Wir brauchen nicht immer mehr. Nur das Richtige.

Von Johanna Dank

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